Freitag, 1. Mai 2015

KM 9828 Tour am Rhein Teil 2

Nach meinem Ruhetag am Samstag, ging es Sonntags wieder auf die Piste. Es ist schon ein eigenartiges Gefühl nach 10 Jahren auf wohlbekannten Strecken durch die alte Heimat zu rollen. Von Einhausen im hessischen Ried ging es über Riedrode und Lampertheim in Richtung Mannheim. Zwischenziel war das Stepahnienufer in Mannheim, um mich mit wieder mit meinen Mitradelkollegen aus England zu treffen.

Peinlicherweise habe ich mich in Mannheim an einer etwas unübersichtlichen Stelle doch glatt verfahren…ich habe keine Ahnung ob die Radwegführung geändert wurde oder ich schlicht und einfach nach so langer Zeit alles vergessen habe. Aber anyhow letztendlich bin ich pünktlich am vereinbarten Treffpunkt angekommen. Nach einer kurzen Wartezeit kamen mir Auntiehelen, Simon und Joyce aus Richtung Speyer entgegen gerollt. Unser nächstes Ziel war das Restaurant Dehus in Mannheim auf der Friesenheimer Insel. Das Lokal liegt in the middle of nowhere. Es liegt quasi auf einer Insel umschlossen von Rhein, Altrhein und Neckar. Nach einem leckeren Essen ging es zurück aufs „Festland“ vorbei an Lampertheim in Richtung Etappenziel Worms. 
Die BASF

Nach 61km sind wir in die Tiefgarage im Hotel eingerollt. Danach folgte das übliche Procedere…Duschen, Kleidung waschen und aufhängen, ausruhen und danach Abendessen.



Auf der Altrheinfähre bei Mannheim

Für den nächsten Tag war mal wieder eine etwas längere Etappe vorgesehen. Nachdem wir bisher von perfekten Wetter verwöhnt waren, gab es an diesem Tag zur Abwechslung Regen. Also rein in die Regenklamotten. 
Perfekte Regenbekleidung

Raus aus Worms über die Rheinbrücke auf die rechte Rheinseite und dann durch die Landschaft des hessischen Rieds rollend. Leider konnten wir nicht am Rhein entlangfahren, da auch hier der Weg gesperrt war. Also hieß es abbiegen nach Osten in Richtung Biblis. Zwischenzeitlich hatte es aufgehört zu regnen und wir konnten die Regensachen wegpacken…allerdings nur für kurze Zeit. In Gernsheim sind wir wieder auf den Rhein getroffen und sind mit der Fähre auf die andere Rheinseite übergesetzt. Vorbei an Oppenheim, Nierstein ging es zurück nach Mainz. Über die Theodor-Heuss-Brücke ging es auf die Wiesbadener Seite, vorbei am Schloss Biebrich, Schierstein nach Eltville. Die letzten Kilometer waren doch ziemlich nass, aber mit der richtigen Kleidung ist es eigentlich kein Problem. Ich blieb einigermaßen trocken in meiner Regenjacke und Regenhose von Rose Versand (vor der Tour war ich im Bikeshop in Bocholt und haben die Sachen anprobiert). 

Unsere Räder durften wir im überdachten Biergartenbereich des Hotels abstellen. Am Ende des Tages waren es 91km.

Der nächste Morgen hielt eine Überraschung für mich parat. In den vergangenen Wochen merkte ich schon, dass das rechte Radlager etwas Geräusche machte…ein untrügliches Zeichen für ein Schaden des Radlagers nach etwas über 10.000km.
Defektes Radlager

Ich bin trotzdem ohne Austausch auf die Tour gegangen! Der gestrige Regentag hat dem Radlager sozusagen den Rest gegeben. Durch die Regenfahrt scheint erheblich Wasser durch die defekte Abdichtung gekommen zu sein, was dann zur Auswaschung führte. Ab diesem Zeitpunkt begleitete mich für die nächsten 300km ein mahlendes Geräusch, aber das Rad drehte sich wenigstens noch. Bei schönem, sonnigem Wetter ging es weiter entlang am Rhein über Oestrich-Winkel nach Rüdesheim. In Rüdesheim ging es wieder zurück auf die rechte Rheinseite nach Bingen. Ab hier wird das Rheintal wieder enger. Anfangs rollt der Radweg noch abseits der B9 aber nach einiger Zeit wird es einfach zu eng und der Radweg führt direkt an der Straße entlang. Der Radweg ist allerdings ein einem sehr guten Zustand…auch wenn manchmal ein paar Hindernisse eingestreut werden.
Hindernisse

Auf den bereits bekannten Weg ging es vorbei an Bacherach, Oberwesel, Loreley, St. Goar Boppard zu unserem Etappenziel nach Spay. 70km in einer der schönsten Gegenden in Deutschland; einfach nur wunderbar.

Auch am nächsten Morgen wartete die Sonne auf uns. Nach einem gemütlichen Frühstück ging es weiter. Das Etappenziel war diesmal Bad Honeff. Das hieß, das wir irgendwo wieder auf die rechte Rheinseite rüber mussten. Aber erst einmal ging es in Richtung Koblenz vorbei am Deutschen Eck über die Mosel. 
Deutsches Eck

Obwohl der Weg bereits bekannt war, war es keineswegs langweilig. Die Eindrücke unterwegs sind immer wieder anderer Art. Bei Umitz ging es über eine Eisenbahnbrücke auf die andere Rheinseite. Auf der Brücke war ein wenig rangieren Notwendig, da alles doch sehr eng war. 





















Der Fahrweg ist mit Holzplatten belegt. Vor ein paar Jahren musste die Brücke gesperrt werden, da ein Pferd durch die Planken eingebrochen war und in den Rhein gestürzt ist. Glücklicherweise war weder Pferd nichts passiert und konnte ans Ufer zurückschwimmen. Zum Glück habe ich erst nach Überquerung der Brücke von diesem Vorfall erfahren. Weiter ging es an Neuwied vorbei bis uns Leutedorf Bauarbeiten am Radweg bzw. Bundesstraße ausbremsten. Wir wurden schon vorher von einem Einheimischen auf mögliche Probleme hingewiesen, aber wir ließen uns nicht beirren. Etwas abseits der Straße ging es einen unbefestigten Weg hoch in die Weinberge. Das heißt kleinster Gang und langsam den Berg hochkurbeln. Von hier oben hatte man einen wunderbaren Blick auf das Rheintal und die Großbaustelle hier wäre kein Platz für unsere Trikes gewesen. Weiter ging es bis urplötzlich der Weg an einer Barriere aufhörte. 

Es gab keine Möglichkeit weiterzukommen. Es gab nun die Möglichkeit den gleichen Weg nochmals zurückzufahren und unten im Tal eine Alternative zu suchen oder Plan B…es gab eine recht steile und mit Geröll übersäte Abfahrt. Das war eigentlich mehr für Mountainbikes gedacht aber wir haben uns für diesen Weg entschieden. 

Glücklicherweise sind wir alle unten heil angekommen und es zeigt, dass man selbst mit vollgepackten Trikes in schwierigem Situation zurechtkommen kann. Die Probleme waren allerdings noch nicht gelöst. Wir standen jetzt hinter einer Leitplanke direkt in der Baustelle. Die Weiterfahrt in Richtung Ziel, war durch einen großen Erdhaufen verwehrt und wir konnten die Trikes auch nicht einfach über die Leitplanke in den fließenden Verkehr der Bundesstraße heben. Es blieb uns also nichts Anderes übrig, als ein paar Meter zurück zu fahren und uns dann in den Verkehr der Bundesstraße einzureihen…einige Autofahrer haben uns dafür sicherlich gehasst, da ein überholen in der Baustelle nicht möglich war. Wir hatten allerdings Geleitschutz durch einen kleinen Bagger der uns die Baustelle lotste. Im Nachhinein war das eine aufregende aber dennoch unnötige Episode. Der Weg war als Radweg ausgeschildert und es gab keinerlei Hinweise darauf, dass der Weg im Nirgendwo endet. Hier könnte man entsprechende Schilder und eine Umleitungsempfehlung erwarten. Ohne Zwischenfälle ging es weiter vorbei an den Überresten der berühmten Brücke von Remagen bis nach Röhndorf. Nach 73km hatten wir unser Ziel in einem Gästehaus eines Weinguts unterhalb des Drachenfels erreicht. Der Tag klang bei einem leckeren Essen und einer guten Flasche Wein aus. Nochmals besten Dank für den leckeren Flammkuchen und den tollen Abend.


Die Vorhersage für den nächsten Tag war alles andere als gut...jede Menge Regen für den ganzen Tag, aber überraschenderweise konnten wir im Trockenen starten. Der Regen setzte erst später ein. Es ging auf der rechten Rheinseite in Richtung Königswinter vorbei an Bonn-Beul. 
Köln

Nach 35km hatten wir Köln erreicht und hier öffnete der Himmel seine Schleusen. Wir hatten zum Glück die Regenkleidung schon an und so konnten wir den Großteil der Feuchtigkeit abwehren. Aber bei solchen Regenmengen lässt auch die beste Membran irgendwann mal etwas Regen durch, allerdings nur moderat. Wir haben uns dann zum Mittagessen in eine Pizzeria verkrümelt und haben den Rest des großen Regen im trockenen verbracht…unsere Trikes mussten draußen im Regen bleiben. Der Rest der Strecke war ehr unspektakulär und durch die Umfahrung des Chemieparks Bayer Leverkusen geprägt. Nach 75km hatten wir unser Quartier in Hitdorf bei Leverkusen erreicht.

Die letzte Etappe der Rheintour stand an. Von Hitdorf starteten wir bei tollem Wetter in Richtung Düsseldorf um bei Neuss auf der Nordkanalroute nach Hause zu fahren. Unser Weg führte uns durch Monheim und wir machten einen kleinen Abstecher zum Schloss Benrath bei Düsseldorf. 
Schloss Benrath

Bei Himmelgeist ging es via Fähre zurück auf die andere Rheinseite. Nach ein paar Kilometern (zum Leidwesen meiner Mitradler auch Offroad) konnten wir in Neuss auf die Nordkanalroute einbiegen. 
Zum Schluss nochmal Offroad
Heimische Gefilde nun waren es nur noch 30km bis nach Hause. Gegen Nachmittag sind wir bei mir zu Hause angekommen. Wir wurden alle herzlich von meiner Frau und Tochter empfangen und es gab etwas Leckeres zu essen. Für mich war die Tour hier nach 818 km zu Ende. Meine lieben Freunde mussten noch weiter nach Kempen und für Simon und Joyce hieß es in den nächsten Tagen weiter am Rhein entlang nach Hoek van Holland und mit der Fähre zurück auf die Insel.
Wieder zu Hause


Das war meine erste längere Radtour mit dem Trike und ich muss einfach sagen es war wunderbar. Das lag an der genialen Landschaft, dem größtenteils sehr angenehmen Wetter und natürlich an der genialen Reisebegleitung. Nochmals besten Dank an Auntiehelen für die perfekte Reiseplanung. Für mich steht klar, dies war nicht die letzte Tour.
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