Posts mit dem Label Niederlande werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Niederlande werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 31. Mai 2014

KM 3747 8.Liegetrike-Treffen in Schwalmtal



Eigentlich bin ich ja kein Rudelradler. Ich ziehe es vor, als „lonesome rider“ durch die Landschaft zu ziehen. Aber ich kann auch anders…des 8. Liegetrike-Treffen fand in diesem Jahr faktisch vor meiner Haustür statt und da musste ich natürlich vorbeischauen. Angesetzt war die Woche um Christi Himmelfahrt. Da ich am Freitag arbeiten musste, blieb mir nur der Donnerstag, um bei einer Ausfahrt mit zu machen. Vor einigen Wochen hatte ich schon mit 5 Liegetrike-Kollegen die Möglichkeit diese Tour abzufahren. Geplant war vom Campingplatz am Mühlrather Hof (Hariksee) entlang der Schwalm bis zur Deutsch/Niederländischen Grenze zu radeln. Danach geht’s schnurgeradeaus auf dem Grensweg in Richtung Norden zum Weissen Stein. Weiter über Reuver nach Bessel und von da an nach Swalmen und Brüggen zurück zum Campingplatz.

Die ganze Woche über war echt mieses Wetter. Es regnete in verschiedenen Ausprägungen: heftige Schauer, Landregen, Nieselregen usw. Die Wetteraussicht für Donnerstag war auch nicht gerade berauschend und ich stellte mir vor, wie ich mich mit meinen Slicks durch den morastigen Waldboden kämpfe und danach aussehe wie eine Wildsau. Am Mittwoch allerdings besserten sich zusehends die Aussichten auf einen wenigstens trockenen Donnerstag. Am Morgen des besagten Tages luckte ich frühmorgens durch die Gardinen….es regnete nicht, aber es war grau…hellgrau. Also ab aufs W1. Ein kurzes Frühstück musste sein und um 10 bin ich dann endlich losgerollt. In Viersen musste ich erstmal tanken…..Geld am Geldautomat natürlich und dann ging es richtig los…mit dem verfahren. Es ist ja schon irgendwie peinlich, aber selbst nach 9 Jahren in Viersen, passiert mir es immer wieder mal, dass ich irgendwo einen Abzweig verpasse. Naja das werte ich einfach mal als Einrollrunde :). Es gibt einige schöne Wege zum Hariksee; ich habe allerdings die weniger schöne aber schnellste Variante entlang der Landstraße gewählt. Wenn man Viersen-Dülken hinter sich gebracht hat, rollte man circa 7km bis nach Schwalmtal und von hier aus ist es nicht mehr weit zum Hariksee. Sobald man sich von der Landstraße verdrückt, fängt die Erholung an. Der Hariksee wird von der Schwalm durchflossen und liegt in einem wunderschönen Naherholungsgebiet. Direkt am See gibt es nettes Restaurant mit Terrasse. Bei schönem Wetter kann man sich nach einem Rundgang um den See eine leckere Tasse Kaffee mit Kuchen schmecken lassen. Ab hier ist es nur noch ein Steinwurf zum Campingplatz am Mühlrather Hof. 

Viertel nach Elf bin ich dann auf dem Campingplatz angekommen. Es war schon ordentlich was los und überall standen Velomobile, Ein- und Zweispurige Liegeräder herum. Einige Teilnehmer kannte ich noch von der Testfahrt einige Wochen zuvor und zu meiner Überraschung waren auch Roswita und Jörg von der Steintrikes Teststation in Heinsberg mit dabei. Da wir uns seit meinem letzten Test am 23.Dezember 2012 nicht mehr gesehen hatten, gab es natürlich einiges zu erzählen.

Gegen 12 Uhr gab es dann die letzten Anweisungen und Hinweise und dann wurde Aufstellung genommen. Es war nicht gerade warm, und der Himmel um uns herum zeigte die verschiedensten Schattierungen von Grau. Die dunklen Stellen fand ich gar nicht gut, da ich auf Dauerregen überhaupt nicht eingestellt war….aber nur die Harten kommen in den Garten…Augen zu und los. 

Meine Fahrt ging genau zehn Meter und dann war Schluss. Die Kurbel ließ sich keinen Millimeter mehr vorwärts bewegen. Oh Mann….das fängt ja gut an. Ich fuhr an die Seite und sofort waren ein paar helfende Hände bei mir, um den Schaden zu beheben. Der ganze Tross mit 40 Fahrzeugen, musste wegen mir noch mal anhalten….peinlich. Wir checkten den Kettenverlauf und die Gangbarkeit der Umlenkrollen, konnten aber keine Probleme feststellen. Ich hatte schon fast das Tretlager in Verdacht. Das wäre natürlich das sofortige Ende meiner Tour gewesen. Also habe ich mir nochmals die Umlenkrollen angeschaut und siehe, da fand ich den Übeltäter. Ein kleines Steinchen hatte sich in die Nut der Rolle verklemmt und hinderte nun die Kette am Weiterlaufen. Weiß Gott wie der Stein dahin gekommen ist. Jedenfalls saß er so fest, dass wir ihn mit einem Werkzeug rauhebeln mussten. Operation gelungen und jetzt konnte ich wieder weiterfahren. Eine kurze Meldung an die Spitze des Zuges und nun konnte es wirklich losgehen. 

Man kann sich vorstellen, dass wenn sich ein solcher Tross in Bewegung setzt, das Ganze nicht so einfach ist. Wenn wir am Anfang vielleicht mit 10km/h gerollt sind, dann war das viel. Für die Dreiräder kein Problem, aber die Einspurer mussten ordentlich kämpfen, da das Geläuf auch noch sehr schwer war. Der Regen der letzten Tage hatte den Boden ein einigen Stellen ziemlich aufgeweicht. Da mussten wir eben durch. Die Kollegen mit den Velomobilen hatten speziell bei den Engstellen und engen Kurven ihre Probleme. Auch das immerwährende Anfahren auf dem schweren Boden war sicherlich nicht so einfach. Und so zog sich unsere Karawane, bunt bewimpelt durch die Lande. Entgegenkommende Radler stiegen schon mal vorsichtshalber ab; sie hätten nicht den Hauch einer Chance gehabt und so ergaben sie sich ihrem Schicksal und mussten einige Zeit warten. Ein Rudel radelnder Vatertagsfeierer kam uns entgegen. Auch sie stiegen vorsichtshalber ab und ich vernahm mit halben Ohr bei der Vorbeifahrt folgenden Satz: „ Boah goil…da kann man auch besoffen mit fahren!“ Ich verbeiße mir mal jeglichen Kommentar, aber das war bisher das Beste was man mir so entgegengeworfen hat.

Vorbei am malerischen Ort Born ging es in Richtung Brüggen. Auch hier ist der Ortskern sehenswert und lädt zum Verweilen ein. Aber wir hatten ja noch eine Strecke vor uns. Ab Brüggen meandert sich die Schwalm durch einen Wald….traumhaft kann ich nur sagen und bei schönem Wetter macht das Ganze noch mehr Spaß. Der tiefe Waldboden erfordert zwar einen ordentlichen Krafteinsatz und herumliegende, armdicke Äste fordern alle Aufmerksamkeit, aber dafür tut sich einem eine herrliche Gegend  auf. Die Schwalm auf der Linken und eine Seenlandschaft auf der Rechten. Weiter geht’s am Venekotensee entlang. Dieser See war ursprünglich eine Kiesgrube und entwickelte sich in 1960igern zu einem beliebten Ausflugsziel mit Wochenendhäusern für Besserbetuchte. Die Deutsch-Niederländische Grenze ist von hier aus nur noch ein Steinwurf entfernt. Die letzten Meter dorthin müssen wir auf die Landstrasse…..40 Liegeräder…die Autofahrer hatten ihren Spass…wir auch!!!

Hinter der Grenze schlagen wir uns aber gleich wieder rechts in die Büsche. Was da allerdings auf uns zu kam war nicht von schlechten Eltern...Herrsachaftszeiten...hier scheint eine ganze Armee Kieslaster ihre Ladung verloren zu haben. Wenn die holländischen Kollegen so unseren Einmarsch in ihr Land verhindern wollten, wäre ihnen das fast gelungen...aber eben nur fast.  Eine Strecke von circa 50m mit grobem, tiefen Schotter. Das heißt 1.Gang rein und dann gib ihm. Einige der Trikefahrer mussten allerdings passen und ihr Gefährt durch den Kies schieben. Die Einspurer waren chancenlos. Die Velomobile hatten ein paar Minuten vorher in weiser Voraussicht eine Alternativroute gewählt. 

Ab hier konnte man die ursprüngliche  Landschaft des Niederrheins bewundern. Eine Heidelandschaft mit den üblichen niedrigen Kräutern und tiefem Sandboden. Dieser Bereich bildet die Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden und der Baumbestand wurde in den letzten Jahren konsequent nieder gehalten. Nur so kann der ursprüngliche Charakter erhalten bleiben. Das Fahren ging mehr schlecht als recht und erforderte einigen Kraftaufwand. Die Passage war aber auch schnell überwunden und schon ging es auf einem gut ausgebauten, asphaltierten Weg in Richtung Weissen Stein…unsere erste große Pause. Nach 22km (für mich nach 40km) kamen wir am Weissen Stein an. An diesem Punkt Treffen mehrere Wege aufeinander und das Naturschutzgebiet Brachter Wald liegt direkt neben an. Dies war bis vor einigen Jahren das größte Munitionsdepot der Britischen Armee auf dem Festland. Von hier aus wurden damals die Irak-Kriege mit Munition versorgt. Aber das gehört zum Glück der Vergangenheit an. Und so bietet sich der Bevölkerung eine großartige Möglichkeit um die Natur des Niederrheins kennen zu lernen.  

Am Weissen Stein lassen wir uns zur ersten Pause nieder. Die Velomobilisten sind schon da und geniessen ihr Essen. Es gibt leichte Parkplatzprobleme und ich habe Probleme mein W1 in der Gemengelage wieder zu finden. Aber erst mal etwas Essen….wir sind in den Niederlanden, das heißt ...Frikandel Spezial mit Pommes und Salat... Eine wahre Bereicherung der Nouvelle Cuisine aber echt lecker. Mehr als 40 Leute wollen versorgt sein und so sitzen wir länger als geplant bis Alle fertig sind. Die komplette Pause hat dann auch fast 90 Minuten gedauert. Draussen sitzen bei empfindlichen 12°C; ich war froh endlich wieder auf dem Rad zu sitzen um mich auf Temperatur zu bringen. Der nächste Stopp war garnicht so weit weg; die Maas-Terrassen in Beesel gerade mal 10 Kilometer entfernt. Also los geht es mit der Bande in Richtung Maas durch Reuver.

Parplatzprobleme am Weissen Stein

Parplatzprobleme am Weissen Stein
 
Hier erreichen  wir auch den niedrigsten Punkt unserer Tour; gerade mal 15m über Normalnull. Bei steigendem Meeresspiegel bekommen die hier sicherlich ein Problem. Es geht entlang der Maas in südliche Richtung. Diesen Streckenteil kenne ich von meinen Touren im letzten Sommer. Mein Blick gilt allerdings dem Wetter um uns herum. Die Wolken werden bedrohlich dunkel und ich machte mich auf ein nasses Ende gefasst. Aber egal. 




Auf dem Weg nach Beesel

Auf dem Weg nach Beesel


 
Die 10 Kilometer vergingen wie im Fluge und schon waren wir an den Maasterrassen angekommen. 40 Liegefahrräder, oder besser deren Besitzer, suchen einen Parkplatz. Naja, eigentlich kein Problem die niederländischen Kollegen sind auf einen Andrang mit Fahrrädern besser eingestellt. Auf den Maasterrassen sitzt man wirklich gemütlich und gut geschützt gegen Winde vom Westen durch eine Plexiglasscheibe. 


An den Maasterrassen
Ich gönne mir einen Cappuchino und mein Sitznachbar bestellt sich einen Rijstevlaai (Kuchen mit Michreis); sieht sehr lecker aus. Ich telefoniere kurz mit meiner Frau, um sie über eine veränderte Ankunftszeit zu informieren…“das mit sechs Uhr Abendessen kannst Du vergessen, ich bin noch in Holland“. Sie fragt mich noch, wie das Wetter ist, weil 40 Kilometer östlich, in Viersen, es den ganzen Tag geregnet hat. Gerade als ich ihr antworten wollte „hier ist noch Alles trocken“ bekomme ich den ersten Tropfen ab….na toll. 

Innerhalb von 15 Minuten und schneller als geplant setzt sich die Karawane wieder in Bewegung. Auf draussen im Regen sitzen hat keiner so recht Lust. Die meisten haben sich in ihre Regenklamotten geschmissen, außer die Velomobilisten, Roswita mit dem Mungo mit Veltop und ich. Okay ich hatte eine leichte Goretex Jacke an, aber allzu viel Vertrauen in die Dichtigkeit hatte ich nicht mehr, da ich diese Jacke schon etliche Jahre in Gebrauch hatte. Der Organisator der Tour versprach uns, uns jetzt auf direktem Wege zurück zum Hariksee zu bringen. Das hieß durch den Ort Swalmen entlang der Landstraße in Richtung Ost nach Brüggen. Ich kenne diese Straße sehr gut, da ich sie schon öfters mit dem Auto entlang gefahren bin. Sie führt durch ein dichtes Waldgebiet und so hatten wie Glück, dass wir eine lange Strecke nicht direkt dem Regen ausgesetzt waren. 10 Kilometer geht es mehr oder weniger gerade aus durch den Wald. Während auf niederländischer Seite der Radweg noch einigermaßen fahrbar war, litt die Qualität auf der deutschen Seite doch merklich. Wurzelaufbrüche und entfernter Asphalt, weil es sowie so keinen Sinn macht, reihen sich dicht an dicht. Wobei man fairerweise sagen muss, es geht auch noch weitaus schlimmer und das Fahrwerk des W1 bügelt die heftigsten Schläge gekonnt weg. Jörgs Akku musste den anfänglichen tiefen Boden im Wald Tribut zollen, ab hier musste er ohne elektrische Unterstützung zurechtkommen. Normalerweise keine Problem, wenn nicht gleichzeitig seine Nuvinci-Nabe herumgezickt hätte. So hatte er nur noch eingeschränkte Gangauswahl und das macht wirklich kein Spaß. Aber zum Glück ist das Ziel nicht mehr weit entfernt. Unterwegs müssen wir nochmal kurz anhalten, weil der Pannenteufel zugeschlagen hatte. Ein Plattfuss der schnell behoben war.

Mittlerweile hatte es auch wieder aufgehört zu regnen. Das war ein kurzes Intermezzo, aber wie ich später erfahren habe, hatten wir verdammtes Glück. Eigentlich hatte es überall den ganzen Tag geregnet…tja wenn Engel reisen ;). Jetzt gab es noch eine kleine Bergwertung. Okay es waren nur 20 Höhenmeter, aber hier am Niederrhein gibt es dafür eben Punkte für das gepunktete Trikot. Da wo es hoch geht, da geht es wieder runter. Also nochmal kurz auf 37 hochbeschleunigen und dann in einer Rechtskurve zurück in Richtung Campingplatz. Hier fahren wie wieder den bekannten Weg und man merkt, alles geht irgendwie schneller. Entweder die Leute haben Hunger oder müssen auf Toilette, anders ist der Geschwindigkeitszuwachs nicht zu erklären.
Nach 51 Kilometern und circa. 7 Stunden sind wir dann wohlbehalten am Campingplatz angekommen. Das Grillen musste ich leider ausfallen lassen, da ich ja noch 17 Kilometer vor mir hatte. 

Es war eine tolle und gut organisierte Tour. Jeder, der so etwas ähnliches schon mal organisiert hat, weiß wie schwer es ist, allen gerecht zu werden. Für das Wetter kann man niemanden in die Verantwortung nehmen. Ich habe ein paar nette Leute kennen gelernt und wieder getroffen. Lest mal den Blog von Helen Hancox. Sie wohnt derzeit in Kempen und macht mit ihrem Trike und Velomobil den Niederrhein unsicher. Mehr unter http://www.auntiehelen.co.uk/. 

Die letzten 17 Kilometer habe ich noch mal Gas gegeben um den Schnitt ein wenig nach oben zu treiben. Summa summarum eine wirklich schöne Tour, wobei ich das Radeln alleine oder in kleineren Gruppen einfach schöner finde. Man muss erheblich mehr Aufmerksamkeit dem Vordermann schenken und das wird auf die Dauer ganz schön anstrengend.

Tourdaten:
Zeit gesamt: 10h 10min (5h 35min reine Fahrtzeit)
Länge:
84,9 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 1
5,2km/h
Temperatur:
13°C


Samstag, 12. April 2014

1 Jahr Liegetrike...1 Jahr Wild One...3200 Kilometer



Es war ja verdammt ruhig hier im Blog, aber das heißt nicht, dass ich nicht weitergefahren bin. Heute schreiben wir den 12.04.2014 und vor einem Jahr bin ich mit dem W1 gestartet. Insgesamt waren es im ersten Jahr 3200 Kilometer; ich habe also mein Ziel „3000 Kilometer“ sogar übertroffen. Und in 2014 stehen mittlerweile schon fast 500 Kilometer auf der Uhr. Davon waren es gestern alleine mal wieder 65 Kilometer. Die gestrige Tour ist ein wunderbares Beispiel dafür, warum es sich lohnt am Niederrhein mit dem Liegerad beziehungsweise mit dem Liegetrike unterwegs zu sein. Das Wetter war angenehm aber es ging doch ein leichter Nord-Ost-Wind; demnach ging es Richtung Norden (auf der Heimfahrt habe ich gerne Rückenwind). Mein erstes Ziel war Wachtendonk. Das ist von Viersen aus gesehen ein gemütlicher Trip von 20 Kilometern. Man bewegt sich mehr oder weniger am Flusslauf der Niers entlang und man kreuzt dieses Flüsschen ein paar Mal bis man in Wachtendonk ankommt. Das schöne ist, man bewegt sich sehr selten auf Landstraßen, sondern man kann auf gut ausgebauten Rad- und Landwirtschaftswegen die Seele baumeln lassen. Aufpassen auf die Traktoren ist allerdings angesagt…im Märzen der Bauern…. Anyhow, das Städtchen Grefrath lasse ich links liegen und ein paar Kilometer weiter rolle ich das erste Mal über die Niers. Aufpassen….die Brücken sind manchmal durch Drängelgitter gesichert und sind von der Breite her gesehen nicht immer üppig bemessen. Das kann ganz schön eng werden. Der Weg mäandert sich danach durch eine wundervolle Auenlandschaft. Am Wegesrand stehen die typischen Weiden und hier und da ist immer mal wieder ein kleiner Wasserlauf zu sehen. Kühe, Schafe und Pferden schauen mir etwas verstört hinterher, wobei die letztgenannten sehr oft panikartig flüchten. Das Zusammentreffen mit Pferden ist jedes Mal ein Erlebnis. Schon aus mehreren Metern Entfernung erkennt man das Angstweiße in ihren Augen. Meist fangen sie an zu tänzeln und bringen die Reiter in arge Kalamitäten. Meist verkrümle ich mich ganz außen an den Wegesrand und warte bis die Fuhre vorbeigetänzelt ist. Ich nehme mal an, Pferde verwechseln mich einfach mit einem ihrer Feinde. Aber weiter geht‘s…Zwischendurch rolle ich auch durch kleine Waldgebiete. Hier wird die Wegbeschaffenheit etwas rauer, aber das W1 bügelt wirklich hervorragend die heftigen Schlaglöcher, Äste oder sonstige Hindernisse platt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie das Fahrwerk arbeitet. Hinter Grefrath liegt das Kloster Mariendonk. Von Ferne sieht das Gebäude sehr schön aus, es entpuppt sich aber dann als ein von funktionalen Gebäuden umgebenen Klosterbau…naja doch nicht so der Hingucker. Eindrücke und Informationen gibt es hier www.mariendonk.de. Die Fahrt geht weiter. Manchmal muss ich doch etwas gas geben, weil mich Anlieger über die Wirtschaftswege jagen. Überholen ist nicht und so knalle ich einen großen Gang rein und rausche mit 40 Sachen durch die Landschaft…sch…auf den Meniskus. Ich hatte ja bereits erwähnt, der Geschwindigkeitseindruck so tief am Boden ist etwas heftiger…nahezu berauschend ;). Aber die Laktatzufuhr in die Muskeln bereitet dem Spaß dann doch ein Ende und ich lasse die Autos weiterziehen und rolle mit gemäßigtem Tempo weiter. Dadurch, dass ich in den letzten Kilometern Tempo gemacht habe, bin ich schneller als gedacht in Wachtendonk angekommen. Welch ein schönes Städtchen. Durchflossen von Nette und Niers, mit einem tollen Zentrum mit alten Häusern, meist alte Bauernhöfe. Ich liebe diesen Ort und lass mich langsam über das Kopfsteinpflaster rollen (auch hier spielt die Dämpfung des W1 seine stärken aus). Ich fühle mich gut und die Beine sind guter Laune…lass uns noch ein wenig Richtung Norden rollen. Also raus aus Wachtendonk und einfach der Nase nach. Sehr oft rolle ich einfach planlos durch die Gegend und bin immer wieder überrascht, wo es mich hin verschlägt. Die Landschaft wird etwas „hügeliger“. Naja ich sag mal niedriges Autobahnbrückenniveau, aber egal. Ich rolle weiter und stehe urplötzlich vor einer Bundestrasse und der Weg geht auf der anderen Seite nicht weiter. Da ich keine Lust habe, mich auf dem Seitenstreifen totfahren zu lassen. Fahre ich den Weg bis zum nächsten Abzweig zurück. Weiter geht’s Richtung Nordwest…Straelen. Nach ein paar Kilometern bin ich bereits im Industriegebiet, warum hebe ich das so hervor….;) Hier ist die Firma Beyss ansässig. Schaut die Homepage an, dann wißt ihr was ich meine; www.go-one.de. Irgendwann werde ich eine Probefahrt machen. Straelen ist auch ein wunderschönes Städtchen. Auf dem zentralen Marktplatz lässt es sich gemütlich verweilen, schöne Eiscafes und Restaurants laden zu einer Pause ein, aber heute ist es schon ein wenig spät und ich werfe das Fahrradnavigationssystem Komoot an und lasse mich Richtung Heimat navigieren. Den Knopf ins Ohr und los geht’s. Raus aus Straelen in Richtung Venlo. Hier gibt es eine schöne Abfahrt. 47 Kilometer pro Stunde verrät mir der Blick auf den Tacho und das auf einer glatten Asphaltdeck. So könnte es weitergehen, aber ein Kreisverkehr bremst mich aus. Weiter geht es nach Süden in Richtung Herrongen am Rande der „Straelener Berge“ Ein paar Kilometer fahre ich auf einem Radweg entlang einer wenig befahrenen Landstraße, um dann auf die mir bekannte Nordkanalroute abzubiegen www.nordkanal.net/allee.de. Herrongen, hier bucht sich das Handy ins Niederländische Mobilfunknetz ein. Somit ist es Essig mit den Navigationskarten und Navigation. Was ist noch zu sagen; in Herrongen findet man eine Produktionsstätte der Firma Kühne (Konserven). Ab  hier kenne ich mich aus und fahre ohne Navigationshilfe einfach der Nordkanalroute nach. Es geht durch ein Waldstück an der Krickenbecker Seenplatte entlang. Die Seen kann man allerdings durch die Bäume hindurch nicht erkennen. Vorbei am Restaurant / Hotel Waldesruh…mittlerweile habe ich richtigen Hunger und die Wasserflasche ist auch schon leer, aber ich habe noch ca. 15 Kilometer vor mir. Die nächsten Stationen sind Vousenbeck und Glabbach. Das Licht ist jetzt wunderbar, die Kameras liegen aber zu Hause…Mist. Ich werde mal nach einer Actioncam Ausschau halten, um ein paar Eindrücke meiner Ausfahrten festzuhalten. Die Hügel der Süchtelner Höhen machen Spaß auch wenn jetzt die Oberschenkel ein wenig motzen und ich bedrohlich auf einen Hungerast zusteuere. Warum vergesse ich immer, etwas zu Essen mit zu nehmen. In der Ferne erkenne ich die Kirchtürme von Grefrath, Oedt und Süchteln. Das ist der Vorteil, wenn man auf dem platten Land wohnt; man hat hervorragende Landmarken. Im Energiesparmodus rolle ich nach Hause und genieße die letzten Strahlen dieses schönen Freitags. Auf der Uhr stehen knapp 65km. Hungrig und zufrieden stelle ich das W1 in Garage mit dem guten Gefühl, vor einem Jahr die richtige Entscheidung getroffen zu haben.



Tourdaten:
Zeit gesamt: 3h 37min
Länge: 64,3km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,3km/h
Temperatur: 17°C




 

Dienstag, 7. Mai 2013

Maas Tour KM 715


Es ist Sonntag und es verspricht ein toller Tag zu werden. Die sonntägliche Schwimmrunde hat gut getan und nun sitzen wir auf unserer Terrasse und schlemmen bei herrlichem Sonnenschein ein leckeres Frühstück. Heute Mittag habe ich von meiner Familie frei bekommen und so kann ich mich ohne Zeitdruck auf meine Tour machen.

Ich packe 3 Äpfel und meine Wasserflasche ein. Jetzt noch gut eincremen; die Sonne sticht schon vom Himmel. Ich schwinge mich auf meinen Hobel und rolle gen Westen. Die Anfahrt in Richtung Hohen Busch ist nur kurz aber die Rampe kurz nach dem Start bringt mich immer etwas aus dem Atem. Der guten Entfaltung des Wild One sei Dank, kann ich mich gut der 7% Steigung anpassen. Jetzt geht es 2km durch das Waldgebiet der Süchtelner Höhen. Auf dem Waldboden merkt man erst richtig die sehr gut abgestimmte Federung des Steintrikes. Wurzeln und kleiner Wellen werden einfach überrollt ohne dass das Gefährt merklich aus der Ruhe kommt. Jetzt geht es links ab über die A61 hinunter nach Schirick. Eine kurze Strecke auf der Straße geht es in Richtung Bistard  und biege nach 2 Kilometern nach Boisheim ab. Ich rolle durch die kleinen Weiler Loosen und Lind. Es geht leicht Bergan. Ich muss etwas langsamer kurbeln, da mein Puls etwas zu hoch dreht. Das ging eigentlich schon Mal besser; nun ja ich habe ja Zeit. Kurz für Boisheim muss ich die Eisenbahnlinie Dülken Venlo überqueren und hier steht ein Güterzug mitten auf dem Übergang. Mit mir müssen zwei Moutainbiker auf ihren Specialized Maschinen warten. Nach 10 Minuten kann es endlich weitergehen. Boisheim habe ich schnell hinter mich gebracht und nun geht es entlang der Nette weiter nach Schaag. Die Fahrt durch Schaag ist lang gezogen und am Ortsende schlage ich mich wieder in die Felder. Die Sonne hat schon mächtig Kraft und ich bin froh, dass ich mich vorher gut eingecremt habe. Der Pulsmesser piepst schon wieder…ich muss langsamer machen. Weiter geht es durch Bracht und danach durch Heidhausen. Die nächsten Kilometer geht es durch den Brachter Wald. Bis vor wenigen Jahren war dieses Gelände Sperrgebiet. Die Britische Armee hatte hier eine der größten Munitionsdepots in Europa. Mittlerweile ist das Gebiet geräumt und man kann die ursprüngliche Landschaft durchqueren…aber bitte auf den Wegen bleiben. 

Brachter Wald



















Heidelandschaft Brachter Wald

Pause




















Die Straße führt mich direkt zum Grenzübergang am „weissen Stein“, ein beliebter Ausflugspunkt für die Nachbarn aus den Niederlanden. Nun rolle ich auf niederländischen Wegen. Mein Mobiltelefon meldet das Einbuchen in das ausländische Netz. Durch das Städtchen Reuver geht es in Richtung Maasufer. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen wie sich der Baustil der Häuser innerhalb einiger wenige hundert Meter total verändert.  Reuver habe ich schnell hinter mich gebracht und schon stehe ich am Ufer der Maas. Gegenüber sehe ich das Ufer von Kessel mit den schönen Häusern direkt am Fluss, der Kirche und der imposanten Festung. Vor zwei Monaten sind wir hier noch spazieren gegangen…bei Schneetreiben. 


An der Maas

Überfahrt nach Kessel


Ich will mit der Kettenfähre übersetzen aber es ist doch einiges los. Eine Menge Radfahrer sind unterwegs und so muss ich eine Fähre passieren lassen. Ich nutze die Zeit und mache es mir auf meinem Sessel bequem und futtere meinen ersten Apfel. Jetzt kann ich auch auf die Fähre. 60 Cent kostet die Überfahrt als Radfahrer…ich muss zum Glück keinen Extrapreis für meine Überbreite zahlen. 

Die Überfahrt dauert nicht lange und auf der anderen Seite rolle ich als erster von der Fähre und fahre durch die Innenstadt von Kessel. Die Straßencafés sind voll und ich scheine eine kleine Attraktion zu sein. Hinter Kessel wechsle ich auf den Radweg LF3 entlang der Maas. Bis zur Schleuse führt der Weg direkt auf dem Deich. Leider ist man hier nicht alleine und sonntags sind doch einige Autos unterwegs. Irgendwann biegt der Weg in nach Barlo ab. Ein wunderschönes Städtchen mit einer schönen gemütlichen Innenstadt. Raus geht es wieder durch ein Flutschutztor an dem am oberen Bogen eine große Brezel hängt. Die Bewandtnis hat sich mir noch nicht erschlossen. Weiter geht es auf dem Deich auf den Wiesen grasen Kühe…ein idyllisches Bild. 


Auf dem Maas Deich




















In Richtung Venlo




















Am anderen Ufer der Maas  liegt Tegelen. Im Hintergrund sieht man schon die Brücke über die Maas. Da werde ich drüber fahren um nach Venlo zu kommen. Schnell ist die Autobahnbrücke erreicht. Der Radwegbereich ist großzügig mit 2 Spuren gestaltet…eine Autobahn für Radfahrer. Die Fahrt durch die Vororte von Venlo ist wenig spektakulär außer, dass es ab hier wieder nach oben geht; naja sind nur 40 Höhenmeter. Kurz hinter Venlo geht es durch ein Waldgebiet und ehe man es sich versieht ist man wieder in Deutschland. Die nächste Ortschaft ist Leuth, die ich auch schnell hinter mich lasse. Mein nächstes Ziel ist der De Witt See. Ich biege nach links auf den Radweg, der von Kempen nach Kaldenkirchen führt. Der Radweg teilt den De Witt See in 
zwei Teile; Großer und Kleiner De Witt See. Eine wunderbare Strecke die durch einen Wald führt bevor man auf dem Damm durch den See fährt. Hier mache ich meine zweite Rast, esse meinen zweiten Apfel und nehme einen kräftigen Schluck aus der Flasche.

Großer De Witt See

Panorama De Witt See

Hier checke ich auch mein Rad, denn auf den letzten Kilometern hatte ich das Gefühl, dass die Unwucht am linken Vorderrad stark zugenommen hat. Die ganze Zeit hatte ich schon eine leichte Vibration festgestellt, aber dem keine weiter Beachtung geschenkt. Dafür habe ich jetzt die Quittung bekommen. In einem Bereich von circa 5 Centimeter des Umfangs stelle ich 4 offene Stellen auf der Lauffläche fest. Auf dem ersten Blick sehen sie aus wie Einschnitte. Die spätere Begutachtung zeigte allerdings, dass wahrscheinlich durch den Höhenschlag des Reifens, genau diese Stelle so stark abgenutzt wurde, dass nach knapp 700km der Reifen aufgebraucht wurde. 

Aufgebrauchter Kojak

Jetzt muss ich mal sehen, dass ich auf leisen Samtpfötchen nach Hause komme. Es liegen noch rund 15 Kilometer vor mir. Der leichte Anstieg in Richtung Süchtelner Höhen ist kein Problem. Oben angekommen kann man die nächsten 2 Kilometer gemütlich nach unten rollen. Ich nehme den Weg entlang des Höhenzugs um in nach Süchteln zu fahren. Es geht leicht bergan und wieder bergab und ich trage das Wild One wie ein rohes Ei durch die Kurven. Einen Platzer will ich jetzt kurz vor dem Ziel nicht mehr riskieren. Einen Ersatzmantel habe ich nicht dabei. Die Vibration wird immer heftiger und ich bete darum dass der Mantel bis zum Schluss hält. Etwas vorsichtiger rolle ich durch die Wohngebiete und achte auf jedes noch so kleine Schlagloch oder Steinchen. Nicht jedem Hindernis kann man aber ausweichen. Die letzte Kurve ist gemeistert; ich habe es gepackt und obwohl die letzten Meter etwas unruhig waren, war es eine schöne Sonntagstour und am Handgelenk zeigt eine kleine rote Stelle den ersten Sonnenbrand der Session 2013.

Fazit:
Die Tour bin ich letztes Jahr schon mal auf dem Crossbike gefahren und ich war definitiv stärker geschafft. Das Wetter war toll aber es war auch eine Menge los…schon fast zu viel. Den Mantel habe ich mittlerweile abgezogen und einen neuen habe ich schon bestellt. Die Felge zeigt keine Abweichungen, das heißt der Höhenschlag kam durch den Reifen und das von Anfang an. Ich habe Schwalbe mittlerweile kontaktiert und um eine Stellungnahme gebeten. Jetzt steht das Wild One in der Garage und wartet auf die neue Bereifung…also ist mein Fortbewegungsdrang erst einmal gestoppt

Tourdaten:
Zeit gesamt:                                                     4h 26min
Länge:                                                                 69,07km
Durchschnittsgeschwindigkeit:                 18,16km
Höhenmeter:                                                   350m
Temperatur:                                                     25°C