Sonntag, 31. Mai 2015

KM 11214 Austausch der Vorderräder - Einstellen der Spur



Nachdem auf der Rheintour eines der Radlager aufgegeben hatte, musste die Sache jetzt dringend repariert werden.
Defektes Radlager
Die einfache Lösung wäre der Austausch der Radlager; am besten gleich alle zusammen, oder gleich auch neue Räder zu montieren. In den vergangenen Posts hatte ich ja bereits berichtet, dass eventuell einen Umstieg von 18" Räder auf 20" Räder in Erwägung ziehe. 18" Räder bieten ein wenig mehr Agilität. Im Gegensatz rollen 20" Räder auch bei etwas schlechteren Fahrbahnbeschaffenheiten etwas besser, da diese nicht in jedes Loch hineinfallen. Ein weiterer Vorteil ist die bessere Auswahl von Reifen. Bei 18" Reifen ist man doch ziemlich im Angebot beschränkt. Nach einigem Hin und Her habe ich mich für den Umstieg auf die größeren Räder entschieden.

Was beim Umbau auf eine andere Radgröße beachtet werden muss, ist die Tatsache, das die Spur des Trikes gegeben falls verändert. Laut Thomas Seide sollte das Nachstellen der Spur aber kein Problem darstellen. Ich habe mir trotzdem ein paar Köpfe darum gemacht, da ich nicht unbedingt über das entsprechende Messwerkzeug verfüge. Es ist wichtig, daß die Vorderräder zum einen parallel zum Hinterrad stehen, und man sollte darauf achten das die Vorderräder auch vorne ein wenig enger stehen. Man spricht hier von ca. 1mm. Alles andere würde zu einer Verlangsamung der Fahrt und zu erhöhtem Reifenverschleiß führen. Die Korrekte Spur hat einen maßgeblichen Einfluss auf Geschwindigkeit und Fahrverhalten des Trikes. Letztendlich zeigt dann allerdings nur ein Rolltest, ob die durch die Messung vorgenommen Einstellungen auch in der Praxis den gewünschten Erfolg bringen.

Die neuen Felgen und natürlich auch neue, für die 20“ Räder passende, Schutzbleche heute ich bereits vor der großen Tour bestellt. Das Ganze sollte dann Mitte Mai bei mir eintreffen. Ich brauchte auch neue 20“ Reifen…die Wahl fiel auf den Schwalbe Energyzer Pro (ist leider nicht mehr erhältlich; nur noch die Plus Version). Dieser Reifentyp verrichtet in der 26“ Version sein Dienst als Hinterreifen.

Die Wochen verstrichen, die Reifen wurden recht schnell geliefert, aber von meinen Rädern und den Schutzblechen keine Spur. Mittlerweile machte es auch keinen Sinn mehr mit den defekten Radlagern weiter zu fahren. Man vernahm nur noch ein mahlendes Geräusch und das Rad drehte sich fast gar nicht mehr. Notgedrungen musste ich auf mein Stevens Crossbike umsteigen…jetzt weiß ich auch wieder warum ich Liegetrike fahre. Nachfragen bei Bike Revolution ergaben, dass es wohl Probleme bei der Produktion der Schutzblechhalter gegeben hatte, was dann letztlich zum Lieferverzug führte. Ende Mai wurden die Teile dann endlich geliefert.

Im Grunde geht der Umbau recht einfach von statten. Sobald die Muttern von der Steckachse der Vorderräder gelöst und abgeschraubt sind, lassen sich die Achsen herausziehen und die Räder können einfach entnommen werden. Die Radlager sahen wirklich mitgenommen aus, obwohl ich beim Reinigen der Räder immer darauf geachtet hatte den Wasserstrahl nicht auf die Achsen zu halten…der Hochdruckreiniger war sowieso tabu. Im nächsten Arbeitsschritt werden die alten Schutzbleche entfernt. Das geht bei ausgebautem Rad wesentlich einfacher. So stand mein beinamputiertes Wild One vor mir…wahrlich kein schöner Anblick, aber das sollte sich ja bald ändern.
Ohne Vorderräder
Als nächstes habe ich die Rotoren der Scheibenbremse von den alten Rädern geschraubt und gleich an die neuen Räder montiert.
Montage der Bremsscheiben
Jetzt noch die Räder wieder in Position bringen, Steckachse durchstecken und festschrauben…fertig.

Als nächstes habe ich die Spur eingestellt. Hierzu habe ich mir mit ein paar Teilen aus dem Baumarkt ein Werkzeug gebastelt. Das Messwerkzeug besteht aus einem Aluminiumrohr (8mm Durchmesser). Auf die beiden Enden habe ich jeweils ein Mutter mit der Heißklebepistole befestigt. In die Gewinde können jetzt entsprechende Gewindestifte eingeschraubt werden. Eine zweite Mutter wird zum Kontern benutzt, damit sich während des Messvorgangs nichts verstellen kann. Damit man die Mitte besser taxieren kann habe ich noch eine Markierung auf das Rohr angebracht.
Werkzeug zur Vermessung der Spur
Das Trike habe ich nun vorsichtig mit den Vorderädern auf zwei Schienen gehoben. Somit konnte ich nun die Räder optimal ausrichten und den Parallellauf zum Hinterrad kontrollieren. Bei belastetem Trike habe ich nun den Abstand der Felgen am vorderen und am hinteren Rand genommen.





















Die Messung ergab einen Unterschied von 6mm von vorne zu hinten. Das war definitiv zu viel und die Spur musste an den beiden Spurstangen nachgestellt werden. Hierzu löst man beim Wild One die Spurstangen (leider reicht das lösen der Kontermutter nicht aus) an einer Seite und dreht den Kopf um 180°. Nun befestigt man die Spurstange wieder und überprüft den Effekt der Einstellung. Mit dieser zu Fuß Methode habe ich mich dann so langsam aber sicher an das Optimum (rein Messtechnisch) herangearbeitet. Nach einigem herum probieren hatte ich eine vernünftige Einstellung gefunden.
Lösen der Spurstange
Der nächste Arbeitsschritt war das Aufziehen der neuen Reifen…mittlerweile eine Aufgabe die einem leicht von der Hand gehen sollte, aber trotzdem muss man immer wieder auf den Korrekten Sitz der Reifen auf der Felge achten und auch nicht zu vergessen…die Laufrichtung der Reifen. So nun war erstes Probesitzen angesagt. Natürlich konnte ich es nicht abwarten und drehte ein Proberunde auf dem Garagenhof…trotz noch nicht funktionierender Bremsen. Es macht alles einen vernünftigen Eindruck. Jetzt noch meine beiden Lieblingsbeschäftigungen…das Einstellen der Avid BB7 Scheibenbremsen und die Montage der Schutzbleche. Das Einstellen der Bremsen hat immer viel mit Versuchen zu tun. Es gibt etliche Videos im Netz, die sind für eine Grundeinstellung immer gut. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich nach solchen Aktionen noch mindestens eine Radtour brauche bis die Bremsen so eingestellt sind das es passt. Jetzt noch die Schutzbleche (Schutzplastik) angebaut und fertig ist der Hobel. Ich musste noch die alten Schutzbleche auf die neuen Halter anpassen, aber das war relativ wenig Aufwand. Das Wild One rollt ab diesem Zeitpunkt auf 20“ Rädern und ich muss sagen der Umstieg lohnt. Das Fahrverhalten ist ein völlig anderes. Sehr komfortabler und souverän ohne maßgeblich an Agilität zu verlieren. Es passt meines Erachtens einfach besser zum Wild One.


Nach ein paar Tagen gab es allerdings einen Rückschlag. In einer 90° Kurve, die ich weiß Gott nicht scharf gefahren bin, änderte sich plötzlich schlagartig das Fahrverhalten und der rechte Vorderreifen schliff an der Strebe des Schutzblechhalters...?!?! Im ersten Moment konnte ich mir keinen Reim darauf machen, was mich da so plötzlich ausgebremst hatte. Einen Schlag auf das Rad hatte ich nicht wahrgenommen und ich war wirklich komoot unterwegs. Ein Blcik auf meine neuen Felgen verhieß nichts Gutes. Um den kompletten Umfang war die Felge an den Speichenösen erheblich ausgebogen. Dies führte letztendlich zur Unwucht des Rades.
Defekte Felge

Die erste Vermutung war eine oder mehrere lockere Speichen, aber die saßen alle fest…zu fest wie sich später herausstellte. Ich versuchte mit einem Speichenschlüssel die Unwucht aus dem Rad heraus zu bekommen. Aber anstatt die Speichen fest zuziehen musste ich einige lösen. Einige waren nicht aufzubekommen, so stramm waren diese eingeschraubt. Letztendlich habe ich es nach einigem hin und her gepackt die Unwucht aus dem Rad zu bekommen, so dass wenigstens nichts mehr schliff. Ich habe noch am gleichen Tag Bike Revolution kontaktiert und um Ersatz gebeten. Da ich nicht wusste, wie lange die Lieferung diesmal dauert, habe ich die Radlager an den alten 18“ Rädern wechseln lassen. Das war schnell gemacht und so konnte ich mein Wild One die Woche darauf wieder auf die alten Reifen umbauen. Das Umbauen der Schutzbleche und das Einstellen der Spur habe ich mir allerdings geschenkt.
Defekte Radlager
Alte Räder; neue Schutzbleche
























Die neuen Räder kamen schneller als erwartet…also wieder Umbau mit allem Schnick Schnack...so langsam werde ich Experte…auch für die Einstellung der Scheibenbremsen.

Trotz des Aufwands hat sich der Umbau gelohnt. Auch die Kontrolle der Spur war eine gute Idee. Der Reifenverschleiß hat merklich abgenommen. Die Energyzer laufen seit nunmehr über 4000 km und haben noch ausreichend Profil.
Endgültige Montage




Freitag, 1. Mai 2015

KM 9828 Tour am Rhein Teil 2

Nach meinem Ruhetag am Samstag, ging es Sonntags wieder auf die Piste. Es ist schon ein eigenartiges Gefühl nach 10 Jahren auf wohlbekannten Strecken durch die alte Heimat zu rollen. Von Einhausen im hessischen Ried ging es über Riedrode und Lampertheim in Richtung Mannheim. Zwischenziel war das Stepahnienufer in Mannheim, um mich mit wieder mit meinen Mitradelkollegen aus England zu treffen.

Peinlicherweise habe ich mich in Mannheim an einer etwas unübersichtlichen Stelle doch glatt verfahren…ich habe keine Ahnung ob die Radwegführung geändert wurde oder ich schlicht und einfach nach so langer Zeit alles vergessen habe. Aber anyhow letztendlich bin ich pünktlich am vereinbarten Treffpunkt angekommen. Nach einer kurzen Wartezeit kamen mir Auntiehelen, Simon und Joyce aus Richtung Speyer entgegen gerollt. Unser nächstes Ziel war das Restaurant Dehus in Mannheim auf der Friesenheimer Insel. Das Lokal liegt in the middle of nowhere. Es liegt quasi auf einer Insel umschlossen von Rhein, Altrhein und Neckar. Nach einem leckeren Essen ging es zurück aufs „Festland“ vorbei an Lampertheim in Richtung Etappenziel Worms. 
Die BASF

Nach 61km sind wir in die Tiefgarage im Hotel eingerollt. Danach folgte das übliche Procedere…Duschen, Kleidung waschen und aufhängen, ausruhen und danach Abendessen.



Auf der Altrheinfähre bei Mannheim

Für den nächsten Tag war mal wieder eine etwas längere Etappe vorgesehen. Nachdem wir bisher von perfekten Wetter verwöhnt waren, gab es an diesem Tag zur Abwechslung Regen. Also rein in die Regenklamotten. 
Perfekte Regenbekleidung

Raus aus Worms über die Rheinbrücke auf die rechte Rheinseite und dann durch die Landschaft des hessischen Rieds rollend. Leider konnten wir nicht am Rhein entlangfahren, da auch hier der Weg gesperrt war. Also hieß es abbiegen nach Osten in Richtung Biblis. Zwischenzeitlich hatte es aufgehört zu regnen und wir konnten die Regensachen wegpacken…allerdings nur für kurze Zeit. In Gernsheim sind wir wieder auf den Rhein getroffen und sind mit der Fähre auf die andere Rheinseite übergesetzt. Vorbei an Oppenheim, Nierstein ging es zurück nach Mainz. Über die Theodor-Heuss-Brücke ging es auf die Wiesbadener Seite, vorbei am Schloss Biebrich, Schierstein nach Eltville. Die letzten Kilometer waren doch ziemlich nass, aber mit der richtigen Kleidung ist es eigentlich kein Problem. Ich blieb einigermaßen trocken in meiner Regenjacke und Regenhose von Rose Versand (vor der Tour war ich im Bikeshop in Bocholt und haben die Sachen anprobiert). 

Unsere Räder durften wir im überdachten Biergartenbereich des Hotels abstellen. Am Ende des Tages waren es 91km.

Der nächste Morgen hielt eine Überraschung für mich parat. In den vergangenen Wochen merkte ich schon, dass das rechte Radlager etwas Geräusche machte…ein untrügliches Zeichen für ein Schaden des Radlagers nach etwas über 10.000km.
Defektes Radlager

Ich bin trotzdem ohne Austausch auf die Tour gegangen! Der gestrige Regentag hat dem Radlager sozusagen den Rest gegeben. Durch die Regenfahrt scheint erheblich Wasser durch die defekte Abdichtung gekommen zu sein, was dann zur Auswaschung führte. Ab diesem Zeitpunkt begleitete mich für die nächsten 300km ein mahlendes Geräusch, aber das Rad drehte sich wenigstens noch. Bei schönem, sonnigem Wetter ging es weiter entlang am Rhein über Oestrich-Winkel nach Rüdesheim. In Rüdesheim ging es wieder zurück auf die rechte Rheinseite nach Bingen. Ab hier wird das Rheintal wieder enger. Anfangs rollt der Radweg noch abseits der B9 aber nach einiger Zeit wird es einfach zu eng und der Radweg führt direkt an der Straße entlang. Der Radweg ist allerdings ein einem sehr guten Zustand…auch wenn manchmal ein paar Hindernisse eingestreut werden.
Hindernisse

Auf den bereits bekannten Weg ging es vorbei an Bacherach, Oberwesel, Loreley, St. Goar Boppard zu unserem Etappenziel nach Spay. 70km in einer der schönsten Gegenden in Deutschland; einfach nur wunderbar.

Auch am nächsten Morgen wartete die Sonne auf uns. Nach einem gemütlichen Frühstück ging es weiter. Das Etappenziel war diesmal Bad Honeff. Das hieß, das wir irgendwo wieder auf die rechte Rheinseite rüber mussten. Aber erst einmal ging es in Richtung Koblenz vorbei am Deutschen Eck über die Mosel. 
Deutsches Eck

Obwohl der Weg bereits bekannt war, war es keineswegs langweilig. Die Eindrücke unterwegs sind immer wieder anderer Art. Bei Umitz ging es über eine Eisenbahnbrücke auf die andere Rheinseite. Auf der Brücke war ein wenig rangieren Notwendig, da alles doch sehr eng war. 





















Der Fahrweg ist mit Holzplatten belegt. Vor ein paar Jahren musste die Brücke gesperrt werden, da ein Pferd durch die Planken eingebrochen war und in den Rhein gestürzt ist. Glücklicherweise war weder Pferd nichts passiert und konnte ans Ufer zurückschwimmen. Zum Glück habe ich erst nach Überquerung der Brücke von diesem Vorfall erfahren. Weiter ging es an Neuwied vorbei bis uns Leutedorf Bauarbeiten am Radweg bzw. Bundesstraße ausbremsten. Wir wurden schon vorher von einem Einheimischen auf mögliche Probleme hingewiesen, aber wir ließen uns nicht beirren. Etwas abseits der Straße ging es einen unbefestigten Weg hoch in die Weinberge. Das heißt kleinster Gang und langsam den Berg hochkurbeln. Von hier oben hatte man einen wunderbaren Blick auf das Rheintal und die Großbaustelle hier wäre kein Platz für unsere Trikes gewesen. Weiter ging es bis urplötzlich der Weg an einer Barriere aufhörte. 

Es gab keine Möglichkeit weiterzukommen. Es gab nun die Möglichkeit den gleichen Weg nochmals zurückzufahren und unten im Tal eine Alternative zu suchen oder Plan B…es gab eine recht steile und mit Geröll übersäte Abfahrt. Das war eigentlich mehr für Mountainbikes gedacht aber wir haben uns für diesen Weg entschieden. 

Glücklicherweise sind wir alle unten heil angekommen und es zeigt, dass man selbst mit vollgepackten Trikes in schwierigem Situation zurechtkommen kann. Die Probleme waren allerdings noch nicht gelöst. Wir standen jetzt hinter einer Leitplanke direkt in der Baustelle. Die Weiterfahrt in Richtung Ziel, war durch einen großen Erdhaufen verwehrt und wir konnten die Trikes auch nicht einfach über die Leitplanke in den fließenden Verkehr der Bundesstraße heben. Es blieb uns also nichts Anderes übrig, als ein paar Meter zurück zu fahren und uns dann in den Verkehr der Bundesstraße einzureihen…einige Autofahrer haben uns dafür sicherlich gehasst, da ein überholen in der Baustelle nicht möglich war. Wir hatten allerdings Geleitschutz durch einen kleinen Bagger der uns die Baustelle lotste. Im Nachhinein war das eine aufregende aber dennoch unnötige Episode. Der Weg war als Radweg ausgeschildert und es gab keinerlei Hinweise darauf, dass der Weg im Nirgendwo endet. Hier könnte man entsprechende Schilder und eine Umleitungsempfehlung erwarten. Ohne Zwischenfälle ging es weiter vorbei an den Überresten der berühmten Brücke von Remagen bis nach Röhndorf. Nach 73km hatten wir unser Ziel in einem Gästehaus eines Weinguts unterhalb des Drachenfels erreicht. Der Tag klang bei einem leckeren Essen und einer guten Flasche Wein aus. Nochmals besten Dank für den leckeren Flammkuchen und den tollen Abend.


Die Vorhersage für den nächsten Tag war alles andere als gut...jede Menge Regen für den ganzen Tag, aber überraschenderweise konnten wir im Trockenen starten. Der Regen setzte erst später ein. Es ging auf der rechten Rheinseite in Richtung Königswinter vorbei an Bonn-Beul. 
Köln

Nach 35km hatten wir Köln erreicht und hier öffnete der Himmel seine Schleusen. Wir hatten zum Glück die Regenkleidung schon an und so konnten wir den Großteil der Feuchtigkeit abwehren. Aber bei solchen Regenmengen lässt auch die beste Membran irgendwann mal etwas Regen durch, allerdings nur moderat. Wir haben uns dann zum Mittagessen in eine Pizzeria verkrümelt und haben den Rest des großen Regen im trockenen verbracht…unsere Trikes mussten draußen im Regen bleiben. Der Rest der Strecke war ehr unspektakulär und durch die Umfahrung des Chemieparks Bayer Leverkusen geprägt. Nach 75km hatten wir unser Quartier in Hitdorf bei Leverkusen erreicht.

Die letzte Etappe der Rheintour stand an. Von Hitdorf starteten wir bei tollem Wetter in Richtung Düsseldorf um bei Neuss auf der Nordkanalroute nach Hause zu fahren. Unser Weg führte uns durch Monheim und wir machten einen kleinen Abstecher zum Schloss Benrath bei Düsseldorf. 
Schloss Benrath

Bei Himmelgeist ging es via Fähre zurück auf die andere Rheinseite. Nach ein paar Kilometern (zum Leidwesen meiner Mitradler auch Offroad) konnten wir in Neuss auf die Nordkanalroute einbiegen. 
Zum Schluss nochmal Offroad
Heimische Gefilde nun waren es nur noch 30km bis nach Hause. Gegen Nachmittag sind wir bei mir zu Hause angekommen. Wir wurden alle herzlich von meiner Frau und Tochter empfangen und es gab etwas Leckeres zu essen. Für mich war die Tour hier nach 818 km zu Ende. Meine lieben Freunde mussten noch weiter nach Kempen und für Simon und Joyce hieß es in den nächsten Tagen weiter am Rhein entlang nach Hoek van Holland und mit der Fähre zurück auf die Insel.
Wieder zu Hause


Das war meine erste längere Radtour mit dem Trike und ich muss einfach sagen es war wunderbar. Das lag an der genialen Landschaft, dem größtenteils sehr angenehmen Wetter und natürlich an der genialen Reisebegleitung. Nochmals besten Dank an Auntiehelen für die perfekte Reiseplanung. Für mich steht klar, dies war nicht die letzte Tour.

Donnerstag, 30. April 2015

KM 9397 Tour am Rhein Teil 1


Im April erwartete mich „das“ Highlight des Jahres. Aber erstmal schön der Reihe nach.
Nach dem ich im März einen Gang zurückgeschaltet hatte und mir etwas Ruhe verordnete, zog ich mein Training Anfang April wieder an…aber immer schön mit der Ruhe, man ist ja nicht mehr der Jüngste.
 

Das Wetter wurde merklich besser und die Touren wurden wieder länger. Nach Arcen in den Niederlanden und an der Maas zurück nach Venlo, aber auch eine schöne Tour nach Düsseldorf an den Rhein zur Vorbereitung auf das Kommende.

Bereits Ende letzten Jahres hatten wir mit den Vorbereitungen für den ersten größeren Trip über mehrere Tage begonnen. Ziel war die Spezialradmesse in Germersheim, jedenfalls für meine mit radelnden

Kollegen. Mein Plan war, die Gruppe in Worms zu verlassen und das Wochenende bei meinen Eltern im hessischen Ried zu verbringen. Für die komplette Tour hatten wir insgesamt 13 Tage veranschlagt und für mich einen Ruhetag. Die Tour führte uns von Düsseldorf am Rhein entlang und begleitet wurde ich von einer Gruppe von 4 Briten; Auntiehelen, Simon, Joyce und Nigel. Auntiehelen, Simon und Nigel jeweils auf ICE Sprint und Joyce auf einem ICE T. Simon, Joyce und Nigel kamen auf eigenen Rädern von England auf den Kontinent. Wir haben uns hinter Willich-Anrath getroffen und sind dann auf bekannten Wegen nach Düsseldorf geradelt. Hier begann dann die eigentliche Tour am Rhein entlang. In Düsseldorf haben wir uns noch eine Stärkung gegönnt und sind dann gemütlich in Richtung Zons, unserem ersten Etappenziel weitergefahren. Wie haben alle in Hotels übernachtet, außer Nigel, der auf sich auf einer Europatour befand, hat auf Campingplätzen genächtigt. Für mich waren es am ersten Tag nur 62km…ganz bequem zum Einrollen.
Die Reisegruppe Auntiehelen, Nigel, Joyce, Klaus und Simon


Den zweiten Tag starteten wir bei hervorragendem Wetter auf der linken Rheinseite vorbei an Dormagen, Köln, Bonn, Remagen bis zu unserem Ziel in Bad Breisig. Bei unserem Zwischenstopp auf der Kölner Domplatte waren wir die Attraktion…ich glaube wir haben dem Dom die Schau gestohlen und einige Touristen haben auch Bilder von uns geschossen.

Auf der Kölner Domplatte
Unterwegs bei Rheinkilometer 666
Am Ende des Tages standen knapp 100km auf dem Tacho. Das hört sich für den Alltagsradler viel an, aber auf einem bequemen Liegetrike und sehr gemächlichem Tempo ist das kein Problem. Es gibt keine Ermüdungserscheinungen und auch die Seele stellt sich langsam aber sicher auf das gemäßigte Tempo ein. Ein sehr angenehmer Effekt.


Das gute Wetter blieb uns auch auf der dritten Etappe als guter Begleiter erhalten. Weiter ging es vorbei an Andernach, Koblenz, Rhens, Boppard, Bad Salzig nach St. Goar. Am Deutschen Eck haben wir natürlich eine kurze Pause eingelegt und haben in Koblenz zu Mittag gegessen.
Am Deutschen Eck in Koblenz
Die Durchfahrt durch das Mittlere Rheintal ist immer wieder beeindruckend. Ich bin diese Strecke schon sehr oft mit dem Auto gefahren, aber mit dem Rad sind die Eindrücke doch sehr verschieden. An diesem Tag haben wir nach 74km unser Hotel in St. Goar erreicht.

Am nächsten Morgen sind wir bei leicht „chilligem“ Wetter an der Loreley vorbeigerollt. Weiter ging es nach Oberwesel, durch das malerische Bacherach, Bingen; hier verlässt man das Mittlere Rheintal, Mainz; hier verabschiedete sich Nigel, der noch eine mehrwöchige Europatour vor sich hatte, bis zu unserem Etappenziel in Nierstein.
Unter britischer Flagge
Die Landschaft hatte sich während dieser Fahrt komplett geändert. Aus dem malerischen Rheintal heraus, durch die weniger schönen Industriegebiete in Mainz hinein in Weinregion Rheinhessen.
Durch die Weinberge Rheinhessens



Perfekter Parkplatz
Alles sehr abwechslungsreich. Am Ende des Tages standen 83km zu Buche.

In Nierstein befand ich mich schon in Schlagdistanz zur alten Heimat. Bis hierin hatten sich in vergangenen Tagen meine längsten Touren geführt. Am nächsten Tag mussten wir uns für ein paar Kilometer von unserem ständigen Begleiter Rhein verabschieden, da der Radweg am Flussufer gesperrt war. Also ging es leicht oberhalb von Nierstein über Oppenheim und Guntersblum weiter.
Die Vorteile des Liegetrikes
Hier konnten wir wieder zurück an das Rheinufer rollen. Über Hamm am Rhein, Rheindürkheim ging es bis nach Worms. In der Innenstadt haben wir noch ein gemeinsames Essen eingenommen. Während meine Begleiter weiter nach Speyer gefahren sind, habe ich mich über die Rheinbrücke in Richtung Osten verabschiedet. 10 Jahre ist es mittlerweile her, seit ich auf diesen Wegen entlanggefahren bin; ein etwas eigenartiges Gefühl, aber Stolz es mit eigener Muskelkraft so weit gebracht zu haben. Nach 60km bin ich am Haus meiner Eltern angekommen.

Das Fazit der ersten Woche….einfach nur toll. Mittlere Distanzen bis knapp über 100km am Tag sind mit dem Liegetrike kein Problem. Der Körper, aber auch der Geist werden nicht überfordert und es ist Erholung pur.

Dienstag, 31. März 2015

KM 8549 Rückblick März 2015


Trotz des doch sehr kalten Januars und auch der Februar habe ich in diesen beiden Monaten zusammen mehr als 1100 Kilometer unter die Reifen genommen. Das war ein guter Start ins Jahr 2015.
So schön kann der Winter sein
Ich durfte meine ersten Erfahrungen mit dem Trike bei Eis und Schnee machen und ich muss sagen, das war nicht unbedingt meine Sache. Erstens ist der Kraftaufwand bedingt durch die 3 Spuren, die man ziehen muss schon ganz erheblich. Bewegt man sich dann noch auf gefrorenem Terrain, dann hört der Spass eigentlich komplett auf. Man kämpft sich durch die Landschaft und versucht einigermaßen die Spur zu halten; genussvolles Radeln sieht anders aus. Allerdings muss man sagen…man fällt nicht hin und dieser Vorteil ist natürlich nicht zu unterschätzen.

In diesen Monaten durfte ich auch das erste Mal mit dem unliebsamen Effekt von zugefrorenen Schalt- und Bremszügen Bekanntschaft machen. Eine Tour musste ich so abbrechen, da bei jedem Bremsvorgang die Bremsen zublieben und ich mit den Händen die Bremszüge wieder aufgetaut habe. Dem langen Schaltzug der SRAM Dualdrive war das alles zu viel und er stellte seinen Dienst komplett ein. Es half letztendlich nur der Austausch des Zugs.

Trotz alle dem gab es aber in diesen beiden Monaten ein paar tolle Touren und einmal ging es sogar über 100km in den Landschaftspark Nord in Duisburg…trotz teilweiser verschneiter und unbefahrbarer Radwege.
Drängelgitter und Schnee...des Trikefahrers Leid
Der Landschaftspark Nord, kurz LaPaDu, ist ein stillgelegtes Stahlwerk. Ein kompletter Rückbau hätte ernorme Kosten verschlungen und so entschied man sich, die Brache ab zu sichern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein Hochofen ist begehbar und bietet auf der obersten Plattform einen atemberaubenden Blick über den Niederrhein und die westlichen Teile des Ruhrgebiets. Auf dem Gelände befindet sich eine Tauchbasis in einem Gasometer und der Deutsche Alpenverein bietet Klettermöglichkeiten in den ehemaligen Kohle- und Erzbunkern an. Es gibt dort auch ein Restaurant und Hallen für Events. Im Sommer wird ein Openair Kino angeboten. Abends wird das komplette Areal mit verschiedenen Lampen angestrahlt. Ein wirklich atemberaubender Anblick. LaPaDu kann aus verschiedenen Richtungen sehr gut mit dem Fahrrad angefahren werden.

Landschaftspark Nord Duisburg

Weitere Impressionen findet Ihr auf meiner Flickr-Seite Flickr Photostream Klaus Ebinger.

Der März war Wettertechnisch etwas besser, allerdings hatte ich mir irgendeinen Infekt eingefangen, der mich nicht richtig auf Touren kommen ließ. Also habe ich in diesem Monat die Beine etwas hochgenommen und mich etwas auskuriert. Am Ende standen nur 217km auf der Uhr.

Montag, 16. Februar 2015

KM 8972 Karneval am Niederrhein

Ich gehöre nicht zu den eifrigsten Schreibern….nein ich radle lieber!!!

Nur so kann ich die lange stille Zeit in meinem Blog erklären. Aber keine Angst ich lebe noch und mein Wild One ebenfalls. Letztes Jahr habe ich mein Jahresziel um einiges übertroffen. Geplant hatte ich zum Jahresende 4000 Kilometer. In der Endabrechnung standen dann aber 5300 Kilometer zu Buche.



In Summe stehen also fast 9000 Kilometer in weniger als zwei Jahren auf dem Tachometer. Meine Ziele und Vorstellungen, die ich mit dem Kauf des Liegedreirads gesetzt hatte wurden mehr als erfüllt. Nur so ist zu erklären, dass ich mittlerweile einen erheblichen Teil meiner Freizeit auf dem Rad verbringe. Teilweise alleine, mit der Familie oder mit Freunden.



Eines meiner Ziele war die Vergrößerung des Aktionsradius. Für mich waren lange Touren auf einem normalen Aufrechtrad nach spätestens 60 Kilometern mit einigen Schmerzen verbunden. Nach spätestens 100 Kilometer wurden solche Touren zur Qual. Mit dem Wild One bin ich mittlerweile in der Lage, Tagestouren von über 100 Kilometer ohne nennenswerte Probleme zu absolvieren. Die entspannte Haltung ermöglicht ein relaxtes dahincruisen und man kann sehr viel besser die Landschaft dabei genießen. 



Ich habe mich damals für ein vollgefedertes Rad entschieden, da natürlich nicht alle Wege auf denen ich mich bewege immer perfekt ausgebaut sind. Da gibt es auch Passagen die eine echte Herausforderung darstellen. Sei es der berüchtigte mittlere Grünstreifen (die wohl unangenehmste Art von Weg für Liegedreiräder), der mit Schlaglöchern und Wurzelaufbrüchen übersäte Radwanderwanderweg oder, auch immer wieder gerne genommen, der von Arbeitsmaschinen durchwühlte Waldweg mit Pfützen in Badewannengröße. Keine Frage ich möchte nicht 50 Kilometer auf solchen Wegen zurücklegen aber mit dem Wild One und der sehr gut abgestimmten Federung stellt eine solche Wegwahl kein unüberbrückbares Hindernis mehr dar. Sicherlich kann man jetzt die Frage stellen, ob eine Federung mit einem Federweg von 100mm im normalen Alltag benötigt wird. Hierzu auch ein klares Ja. Nach 9000 Kilometer lernt man die Hindernisse im Großstadtdschungel sehr gut kennen. Hier und da muss man eben mal einen Randstein hoch oder runter; mit einem normalen Rad ist das in der Regel kein Problem mit einem Liegerad ist man glücklich über jeden Millimeter Federweg den man zur Verfügung hat. Rauer Asphalt, Kopfsteinpflaster, Kanaldeckel etc.; das ganze Fahren wird wesentlich entspannter. 
Ein weiterer ganz wichtiger Aspekt, den ich vorher kaum auf dem Radar hatte, ist die Kippstabilität. Es ist natürlich cool auf zwei Rädern durch die Kurven zu peitschen. Das kann aber in einer Gefahrensituation schon mal schnell ins Auge gehen und man liegt schneller neben dem Rad wie man denken kann. Vor dem  Kauf des Wild One hatte ich einige Liegedreiräder testen können und ich muss sagen, dass keines der anderen Modelle eine solche Kippsicherheit aufweisen konnte. 
Natürlich bietet eine Federung nicht nur Komfort und Sicherheit sondern auch eine Reduzierung des Verschleißes. Manche Schläge lassen sich auch im Alltag nicht vermeiden. Eine vernünftige Federung verhindert den harten Impact, der auch zwangsläufig aufs Material, sprich Lenkgeometrie, Felgen oder Reifen geht. Darüber hinaus wird ein optimaler Kontakt zur Fahrbahn und somit eine gute Effizienz und Beherrschbarkeit des Rades gewährleistet. 
Also bei Federung nicht nur an Offroad denken sondern auch an Komfort, Sicherheit und Effizienz im Alltag.



Als ich mich damals für das Wild One entschieden hatte, war mir klar, dass ich den Service mehr oder weniger alleine hinbekommen musste. Es war schon ein wenig mit Bauchschmerzen verbunden, da ich auch nicht der begnadetste Schrauber vor dem Herrn bin. Aber ich muss einfach sagen, dass es im Prinzip alles sehr simpel aufgebaut ist. Sehr häufig kommt man mit Fahrradstandardkomponenten zurecht und das Team um Thomas Seide steht einem mit Rat und Tat zur Seite. Die üblichen Verschleißteile, wie etwa Reifen, Schläuche oder Kette bekommt man einfach gewechselt und hier und das ein Schräubchen oder eine Speiche nachziehen ist kein Hexenwerk. Bis dato habe ich alle kleineren Problemchen gelöst bekommen und es ist noch nichts passiert, was mich vor eine unlösbare Aufgabe stellt. Da Standardfahrradkomponenten verbaut sind, dürfte auch der normale Fahrradhändler um die Ecke keine echten Probleme haben das Liegefahrrad zu warten.



Im Prinzip bin ich mit der Ausstattung des Wild One sehr zufrieden. Mit der heutigen Erfahrung würde ich hier und da bei der Ausstattung Veränderungen vornehmen. An erste Stelle stehen da für mich die Schutzbleche. Ich habe diese seit November montiert und ich muss sagen, es ist ein echtes Muss. Ich war nie davon begeistert und als ehemaliger Mountainbiker grenzt es schon fast an Blasphemie, aber ich muss zugestehen, gerade im Winter sind die Schutzbleche ein echter Gewinn und halten die Nässe und den Schlamm weg vom Körper.

Ich bin bei den Reifen mittlerweile bei den Schwalbe Marathon (vorne) und Schwalbe Energizer (hinten) gelandet. Bei meinem Fahrprofil waren die Schwalbe Kojak einfach zu schnell am Ende. Und ich muss sagen, dass in Sachen Komfort die Marathon- Reifen perfekt mit der Federung des Wild One harmonieren. Es war nach dem Wechsel ein völlig neues Fahrgefühl.
Heute würde ich eventuell auf 20“ Räder vorne wechseln. Die Reifenauswahl bei den 18“ ist doch etwas beschränkt und die Preise für die Reifen sind auch etwas höher. Des Weiteren würde ich auch noch einen Nabendynamo verbauen lassen. Dies ist auch meinem Fahrprofil geschuldet. Ich bin mittlerweile sehr häufig in der Dunkelheit unterwegs (ja das macht eine Menge Spaß) und dann ist man froh, wenn man nicht immer an den vollgeladenen Akku denken muss. Die erhältlichen Batterieleuchten sind zwar mittlerweile ganz hervorragend, aber wer gerne im Dunklen fährt sollte sich über diese sinnvolle Investition Gedanken machen.

Bei der Schaltung bin ich mir noch nicht so ganz sicher. Die SRAM Dualdrive verrichtet einen sehr guten Dienst, auch wenn man immer mal wieder nach der Schaltstange schauen muss. Trotzdem würde ich heute eher zu einer Nabenschaltung beispielsweise Rohloff oder Shimano Alfine tendieren. Eine gekapselte Nabe hat schon etwas für sich. Die Kettenschaltungen arbeiten zwar sehr zuverlässig, aber die Schaltmöglichkeit im Stand ist für ein Liegedreirad ein unverzichtbares Feature. Es gibt allerdings einen nicht unerheblichen Vorteil der Dualdrive…in der Regel hat man immer eine Schaltmöglichkeit zur Verfügung.

Für mich war und ist das Wild One die absolut richtige Wahl. Für mich waren die Parameter Komfort, Sicherheit und Entspannung sehr wichtig und das Wild One entsprach am besten meinen Anforderungen. Das Liegedreirad ist für mich zu einem optimalen Werkzeug zum Abschalten nach dem beruflichen Stress und zum Erhalt der Fitness geworden. 9000 Kilometer am Niederrhein haben mir auch die Umgebung näher gebracht und ich habe einige nette und liebe Menschen kennengelernt. Man ist natürlich ein echter Hingucker und die meisten Menschen haben ein bewunderndes Lächeln im Gesicht, wenn sie mich sehen.



Vielleicht noch ein paar Worte zu den letztjährlichen Highlights. Natürlich waren wieder einige schöne Touren zwischen Maas und Rhein dabei. Aber auch außerhalb des Niederrheins gibt es  tolle Möglichkeiten. Mit Auntiehelen (ein lesenswerter Blog unter www.auntiehelen.co.uk) war ich dieses Jahr auf dem Vennbahnradweg und auf dem Sauerlandring unterwegs. Der Vennbahnradweg ist absolut zu empfehlen. Er bewegt sich auf einer ehemaligen Bahnstrecke von Aachen aus. Die Steigung ist sehr moderat und auch mit durchschnittlicher Fitness machbar. Man bewegt sich ausschließlich auf Radwegen. Wir sind in Aachen gestartet und dann über Monschau nach Belgien geradelt. In Summe waren wir 163 Kilometer unterwegs. Diese Tour war ein echtes Highlight und ich werde die Strecke nochmals unter die Räder nehmen.
Im Herbst haben wir noch über den Sauerlandring geradelt. Auch hier handelt es sich um eine ehemalige oder genauer gesagt, um mehrere ehemalige Bahnlinien. Ein echtes Highlight ist die Durchfahrt durch einen Eisenbahntunnel. Landschaftlich bietet der Sauerlandring ebenfalls sehr viel, allerdings sind etwas mehr Höhenmeter zu bewältigen und zwischendurch hat man doch recht fiese Steigungen eingestreut. Leider ist der Sauerlandring nicht überall gut ausgebaut, aber er bekommt trotzdem eine Empfehlung von mir.


Für dieses Jahr habe ich meine erste Mehrtagestour geplant. Es geht im April von Viersen aus entlang des Rheins in meine alte Heimat, ins hessische Ried. Zwei Wochen hin und zurück ca. 750 Kilometer. Es sind genau diese Touren, die ich mir damals vorgenommen habe. Eine neue Herausforderung und freue mich darauf.   


Samstag, 12. Juli 2014

KM 4920 Burg Linn



In meinem letzten Blog hatte ich berichtet, dass ich mir eine Action Cam für mein W1 zugelegt habe. Ich war schon erstaunt welche Qualität diese kleinen Kästchen hinbekommen. 


Ich habe mich gegen den Platzhirschen GoPro entschieden und das war eine rein finanzielle Entscheidung, da ich nicht bereit war, fast das Doppelte für meinen Gebrauch auszugeben. Die Rollei Bullet 5S bekommt man mit einem sehr reichhaltigen Zubehörpaket. Darin enthalten sind das Schutzgehäuse, eine Fernbedienung und unzählige Halter. Da ich mich gegen die Bike Edition entschieden habe, war leider kein vernünftiger Halter für das Fahrrad dabei. Den habe ich mir separat bei Amazon für 4,95€ bestellt. Wenn er nicht vernünftig halten würde, wäre der Schaden überschaubar.


Wie wichtig die Montage einer Kamera ist, war mir schon im Vorhinein klar. Für den ersten Versuch hatte ich die Kamera an meinen selbstgebastelten Schutzblech und Lampen-Halter montiert. Die Perspektive ist zwar toll aber es rappelt doch ziemlich und bei solchen Vibrationen versagt dann auch der Bildstabilisator. Den Versuch habe ich ja bereits im vorherigen Blogeintrag gezeigt.


In der letzten Woche kam dann der Halter endlich an. Ich hatte nicht bemerkt, dass er aus Hong Kong angeliefert wurde, daher die lange Lieferzeit. Der Halter macht, trotz des günstigen Preises, einen stabilen Eindruck. Ich habe ihn mal gleich an den Unterlenker montiert, um einen Blick auf das Feder/Dämpfer-Element zu bekommen. Das Ergebnis hat mich wirklich überrascht. Obwohl die Vibrationen der Kamera sichtbar sind, sieht man in der Aufnahme fast nichts mehr davon. Da verrichtet der Bildstabilisator eine sehr gute Arbeit. Als zweite Montageposition habe ich mir den vorderen Lampenhalter von Topeak ausgesucht. Hier werden die Vibrationen schon wieder stärker wahrnehmbar und bei größeren Unebenheiten kann der Halter leider die Position nicht halten. Das ist aber nicht weiter schlimm. Ich werde einfach bei der nächsten Ausfahrt das Stirnband benutzen.

Rollei Bullet 5S

Nach dem Filmaufnehmen fängt die eigentliche Arbeit erst an….das Schneiden. Ich habe da irgendwie immer gehasst. Es ist verdammt zeitaufwendig und nicht zu vergleichen mit der Bildbearbeitung beim Fotografieren. Aber es gibt zum Glück gute Filmbearbeitungsprogramme am Markt. Und eines ist sogar kostenfrei bei Windows 7 mit dabei…Windows Live Movie Maker. Es ist ein einfaches Paket, aber für die grundlegenden Dinge reicht das allemal. Ich werde noch viel üben müssen, aber der zweite Film ist gar nicht so schlecht gelungen. Dafür sind 3 Stunden Bearbeitungszeit drauf gegangen…der Workflow stimmt eben noch nicht so richtig. Aber daran werde ich arbeiten. Hier ist das Ergebnis.





Trike bin ich natürlich auch wieder gefahren. Ziel war die Burg Linn und Helen hat mich wieder begleitet. Den Parallelblog aus Sicht einer britischen Lady findet ihr unter http://www.auntiehelen.co.uk/six-wheels-in-germany/


Die Burg Linn hatte ich letztes Jahr zweimal auf dem Programm. Es ist ein lohnenswertes Ziel und kann nur jedem empfehlen bei einem Besuch am Niederrhein auch nach Krefeld-Linn zu fahren. Wenn man, wie wir mit dem Fahrrad, aus Westen kommend in Richtung Krefeld-Linn fährt, dann ist die eigentliche Herausforderung einen geeigneten Weg zu finden. Das war mein dritter Versuch und der Hinweg klappt eigentlich sehr gut. Man muss nur zusehen, dass man irgendwie zwischen Krefeld und Meerbusch hindurch kommt. Ich kenne jetzt 3 Varianten, die sich allerdings nur minimal unterscheiden, allzu viele Variationen gibt es nicht. Für den Rückweg nimmt man entweder den gleichen Weg zurück (total langweilig) oder man schlägt sich durch Krefeld. Das erste Mal, war es eine volle Katastrophe. Wenn ich den Stadtplaner in meiner Nähe gehabt hätte, dann...(zensiert durch den Autor). Beim zweiten Mal habe ich mich in Oppum dermaßen verfranzt, dass ich aus lauter Verzweiflung die Radnavigation komoot angeworfen habe. Und siehe da, es gibt einen einigermaßen fahrbaren Weg direkt durch Krefeld. Aber nun zur Tour.

Helen kam mit ihrem Trike im Kofferraum nach Viersen. Es ist immer wieder erstaunlich wie schnell sich das ICE Sprint zu einem kleinen Paket zusammenfalten lässt und dann in einem Kleinwagen verschwindet. 

Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten konnten wir die Tour starten. Es ging in Richtung Osten. Das Wetter war sehr schwül und für den Abend gab es auch eine Unwetterwarnung. Aber wenn man gemütlich mit dem Fahrrad durch die Gegend rollt, dann kühlt etwas der Fahrtwind. Wir überqueren die Niers und weiter geht es auf guten asphaltierten Wegen und Straßen nach Anrath-Vennheide. Kurz hinter Vennheide biegen wir nach Anrath ab, lassen aber Anrath links liegen, ich glaube sehr zum Leidwesen meiner Begleiterin, da es in Anrath einen Bäcker mit leckerem Kuchen gibt…aber nichts da…ich will Rad fahren und nach 5 Kilometern halte ich noch nicht an. Hinter Anrath geht es ein gutes Stück durch die Sitter Heider. Weit ab von irgendwelchen Straßen, hat man hier einfach nur Ruhe. Ich genieße solche Passagen. Irgendwann müssen wir dann in Richtung Krefeld-Forstwald abbiegen. Hier geht der Radweg an einer Landstraße entlang und ist entsprechen schmal, so dass wir hintereinander fahren müssen. Von der Straße bekommt man eigentlich wenig mit. Man sitzt tief und das hohe Gras schottet den Verkehr ab. Für die Autofahrer muss es allerdings ein etwas groteskes Bild abgeben…zwei Flaggen, die scheinbar völlig anhaltslos durch die Gegend schweben.


Ein paar Kilometer fahren wir an einem Landcafe vorbei…ich überhöre das wimmernde Klagen meiner Begleiterin. Wir verlassen die Landstraße und radeln entlang der Autobahn A44 gen Osten. Willich liegt zur Rechten und wir verlassen bald den Kreis Viersen. Kurz vorher zwingt mich Helen aber doch noch zu einem Stopp…nein es war keine Bäckerei…es war eine Kirche und die musste natürlich fotografisch festgehalten werden. Für so etwas stoppe ich natürlich immer gerne. Ohne Kuchen geht’s weiter an den Hoxhöfen vorbei. Hier müssen wir wieder auf die andere Seite der A44 und kratzen haarscharf an Krefeld-Fischeln vorbei. Zwischen Fischeln und Bössinghoven kommt uns ein freirollendes rotes Velomobil entgegen. Die sieht man wirklich nicht so häufig und wir grüßen uns freundlich. Wir sind nicht mehr weit von unserem Ziel entfernt. Von Bössinghoven fährt man entlang der A57 nach Krefeld-Oppum aber kurz vor Oppum biegt man rechts ab, fährt über die Autobahn und schon sieht man in der Nähe den Burgfried.

Park an der Burg Linn

Burg Linn zur blauen Stunde

Kaum fahren wir auf das parkähnliche Gelände, kommt mir mein ehemaliger Kollege Frank entgegen. Wir hatten irgendwie vor fast 20 Jahren zusammen gearbeitet. Ich wusste wohl, dass er in der Gegend wohnte, dass ich ihn allerdings hier treffen würde ist schon ein Zufall…die Welt ist eben doch ein Dorf. Wir Kreisen um die Burg und kommen quasi durch den Hintereingang rein. Es ist immer wieder toll hier zu sein. Die Anlage ist perfekt restauriert. Auf dem Vorplatz machen wir eine kurze Pause. Die obligatorischen Fotos müssen sein. Helen fragt mich über den Ursprung der Burg aus…leider kann ich hierzu kaum erschöpfende Antworten geben. Das nächste Mal muss ich mich besser präparieren.

2 Trike in Linn

2 Trike in Linn



Leider gibt es auch hier nichts zu essen und wir ziehen unverrichteter Dinge weiter. Und hier fängt der spannende Teil (jedenfalls was die Navigation angeht) der Tour an. Manchmal sind die Angaben von komoot nicht so ganz präzise, hinzu kommen dann noch die GPS Ungenauigkeiten und ehe man sich versieht hat man sich verfahren. Wir haben es aber immer rechtzeitig mitbekommen und so hielten sich die Umwege in Grenzen. Die Krefelder Stadtplaner haben uns noch zwei Barrieren in den Weg gestellt, die uns aber nicht wirklich aufhalten konnten. Meine Bitte an die Verkehrsplaner…ja ich verstehe den Sinn und Zweck von Drängelgittern, aber wenn ihr nicht unbedingt an Liegetrikes denkt, dann denkt vielleicht mal an Fahrräder mit Kinderanhängern oder Rollstuhlfahrer. Die haben bei einigen Konstruktionen gar keine Chance und können, wenn es ganz blöd kommt, sich darin verkeilen. Es geht auch anders.


Wir rollen jetzt durch eine der schönsten Wohngegenden Krefelds. Hier sieht man wie reich die Stadt und wohlhabend die Bürger einst waren. Schmucke Gärten und ältere Villen einfach nur schön. Wir kommen dem Zentrum immer näher und wir fahren entlang von Fahrradstraßen mehr oder weniger unbehelligt durch Krefeld. Nur das ständige anhalten an Stoppschildern und Ampeln ist etwas kräftezehrend. Aber schneller als man es sich versieht ist man schon wieder aus Krefeld raus. Über den Radweg von Krefeld nach Tönisvorst will ich eigentlich keine Bemerkung abgeben, nur so viel…ich bin sooooo froh vollgefedert unterwegs zu sein.


Im Westen bauen sich bedrohliche Wolkentürme auf. Das sieht nach einem heftigen Gewitter aus. Da ich keine Lust habe in ein Gewitter zu kommen und meine Tochter alleine zu Hause ist, lege ich ein paar Schippen Kohle auf. Immer den Rückspiegel im Blick, damit ich Helen nicht verliere. Ich habe sie heute schon genug gequält, so ganz ohne Kuchen. In Tönisvorst biegen wir auf den bekannten Bahnradweg in Richtung Süchteln. Eigentlich ist die Streckenführung total langweilig, weil kerzengerade, aber ich liebe diese Strecke einfach, weil sie rechts und links einiges an Abwechslung zu bieten hat. Das Rad rollt gut und schneller als gedacht sind wir auf Viersener Stadtgebiet. Nur noch ein paar Ecken und wir sind am Ziel. Schön, dass wir vor dem Gewitter nach Hause gekommen sind.


Es war mal wieder eine schöne Tour, mit knapp 55 Kilometern. Die Zeit verging wie im Fluge und danke an Helen für die mitgebrachte Geduld. Sie erträgt mein stetes nach vorne treten, tapfer und hocherhobenen Hauptes; eine echte britische Lady. Von nun an nicht mehr Auntie Helen, sondern Lady Helen. Das nächste Mal gibt es Kuchen….versprochen!




Tourdaten:
Zeit gesamt: 2h 50min

Länge: 54,7 km

Durchschnittsgeschwindigkeit: 19,3 km/h
Temperatur:
24°C