Samstag, 31. Mai 2014

KM 3747 8.Liegetrike-Treffen in Schwalmtal



Eigentlich bin ich ja kein Rudelradler. Ich ziehe es vor, als „lonesome rider“ durch die Landschaft zu ziehen. Aber ich kann auch anders…des 8. Liegetrike-Treffen fand in diesem Jahr faktisch vor meiner Haustür statt und da musste ich natürlich vorbeischauen. Angesetzt war die Woche um Christi Himmelfahrt. Da ich am Freitag arbeiten musste, blieb mir nur der Donnerstag, um bei einer Ausfahrt mit zu machen. Vor einigen Wochen hatte ich schon mit 5 Liegetrike-Kollegen die Möglichkeit diese Tour abzufahren. Geplant war vom Campingplatz am Mühlrather Hof (Hariksee) entlang der Schwalm bis zur Deutsch/Niederländischen Grenze zu radeln. Danach geht’s schnurgeradeaus auf dem Grensweg in Richtung Norden zum Weissen Stein. Weiter über Reuver nach Bessel und von da an nach Swalmen und Brüggen zurück zum Campingplatz.

Die ganze Woche über war echt mieses Wetter. Es regnete in verschiedenen Ausprägungen: heftige Schauer, Landregen, Nieselregen usw. Die Wetteraussicht für Donnerstag war auch nicht gerade berauschend und ich stellte mir vor, wie ich mich mit meinen Slicks durch den morastigen Waldboden kämpfe und danach aussehe wie eine Wildsau. Am Mittwoch allerdings besserten sich zusehends die Aussichten auf einen wenigstens trockenen Donnerstag. Am Morgen des besagten Tages luckte ich frühmorgens durch die Gardinen….es regnete nicht, aber es war grau…hellgrau. Also ab aufs W1. Ein kurzes Frühstück musste sein und um 10 bin ich dann endlich losgerollt. In Viersen musste ich erstmal tanken…..Geld am Geldautomat natürlich und dann ging es richtig los…mit dem verfahren. Es ist ja schon irgendwie peinlich, aber selbst nach 9 Jahren in Viersen, passiert mir es immer wieder mal, dass ich irgendwo einen Abzweig verpasse. Naja das werte ich einfach mal als Einrollrunde :). Es gibt einige schöne Wege zum Hariksee; ich habe allerdings die weniger schöne aber schnellste Variante entlang der Landstraße gewählt. Wenn man Viersen-Dülken hinter sich gebracht hat, rollte man circa 7km bis nach Schwalmtal und von hier aus ist es nicht mehr weit zum Hariksee. Sobald man sich von der Landstraße verdrückt, fängt die Erholung an. Der Hariksee wird von der Schwalm durchflossen und liegt in einem wunderschönen Naherholungsgebiet. Direkt am See gibt es nettes Restaurant mit Terrasse. Bei schönem Wetter kann man sich nach einem Rundgang um den See eine leckere Tasse Kaffee mit Kuchen schmecken lassen. Ab hier ist es nur noch ein Steinwurf zum Campingplatz am Mühlrather Hof. 

Viertel nach Elf bin ich dann auf dem Campingplatz angekommen. Es war schon ordentlich was los und überall standen Velomobile, Ein- und Zweispurige Liegeräder herum. Einige Teilnehmer kannte ich noch von der Testfahrt einige Wochen zuvor und zu meiner Überraschung waren auch Roswita und Jörg von der Steintrikes Teststation in Heinsberg mit dabei. Da wir uns seit meinem letzten Test am 23.Dezember 2012 nicht mehr gesehen hatten, gab es natürlich einiges zu erzählen.

Gegen 12 Uhr gab es dann die letzten Anweisungen und Hinweise und dann wurde Aufstellung genommen. Es war nicht gerade warm, und der Himmel um uns herum zeigte die verschiedensten Schattierungen von Grau. Die dunklen Stellen fand ich gar nicht gut, da ich auf Dauerregen überhaupt nicht eingestellt war….aber nur die Harten kommen in den Garten…Augen zu und los. 

Meine Fahrt ging genau zehn Meter und dann war Schluss. Die Kurbel ließ sich keinen Millimeter mehr vorwärts bewegen. Oh Mann….das fängt ja gut an. Ich fuhr an die Seite und sofort waren ein paar helfende Hände bei mir, um den Schaden zu beheben. Der ganze Tross mit 40 Fahrzeugen, musste wegen mir noch mal anhalten….peinlich. Wir checkten den Kettenverlauf und die Gangbarkeit der Umlenkrollen, konnten aber keine Probleme feststellen. Ich hatte schon fast das Tretlager in Verdacht. Das wäre natürlich das sofortige Ende meiner Tour gewesen. Also habe ich mir nochmals die Umlenkrollen angeschaut und siehe, da fand ich den Übeltäter. Ein kleines Steinchen hatte sich in die Nut der Rolle verklemmt und hinderte nun die Kette am Weiterlaufen. Weiß Gott wie der Stein dahin gekommen ist. Jedenfalls saß er so fest, dass wir ihn mit einem Werkzeug rauhebeln mussten. Operation gelungen und jetzt konnte ich wieder weiterfahren. Eine kurze Meldung an die Spitze des Zuges und nun konnte es wirklich losgehen. 

Man kann sich vorstellen, dass wenn sich ein solcher Tross in Bewegung setzt, das Ganze nicht so einfach ist. Wenn wir am Anfang vielleicht mit 10km/h gerollt sind, dann war das viel. Für die Dreiräder kein Problem, aber die Einspurer mussten ordentlich kämpfen, da das Geläuf auch noch sehr schwer war. Der Regen der letzten Tage hatte den Boden ein einigen Stellen ziemlich aufgeweicht. Da mussten wir eben durch. Die Kollegen mit den Velomobilen hatten speziell bei den Engstellen und engen Kurven ihre Probleme. Auch das immerwährende Anfahren auf dem schweren Boden war sicherlich nicht so einfach. Und so zog sich unsere Karawane, bunt bewimpelt durch die Lande. Entgegenkommende Radler stiegen schon mal vorsichtshalber ab; sie hätten nicht den Hauch einer Chance gehabt und so ergaben sie sich ihrem Schicksal und mussten einige Zeit warten. Ein Rudel radelnder Vatertagsfeierer kam uns entgegen. Auch sie stiegen vorsichtshalber ab und ich vernahm mit halben Ohr bei der Vorbeifahrt folgenden Satz: „ Boah goil…da kann man auch besoffen mit fahren!“ Ich verbeiße mir mal jeglichen Kommentar, aber das war bisher das Beste was man mir so entgegengeworfen hat.

Vorbei am malerischen Ort Born ging es in Richtung Brüggen. Auch hier ist der Ortskern sehenswert und lädt zum Verweilen ein. Aber wir hatten ja noch eine Strecke vor uns. Ab Brüggen meandert sich die Schwalm durch einen Wald….traumhaft kann ich nur sagen und bei schönem Wetter macht das Ganze noch mehr Spaß. Der tiefe Waldboden erfordert zwar einen ordentlichen Krafteinsatz und herumliegende, armdicke Äste fordern alle Aufmerksamkeit, aber dafür tut sich einem eine herrliche Gegend  auf. Die Schwalm auf der Linken und eine Seenlandschaft auf der Rechten. Weiter geht’s am Venekotensee entlang. Dieser See war ursprünglich eine Kiesgrube und entwickelte sich in 1960igern zu einem beliebten Ausflugsziel mit Wochenendhäusern für Besserbetuchte. Die Deutsch-Niederländische Grenze ist von hier aus nur noch ein Steinwurf entfernt. Die letzten Meter dorthin müssen wir auf die Landstrasse…..40 Liegeräder…die Autofahrer hatten ihren Spass…wir auch!!!

Hinter der Grenze schlagen wir uns aber gleich wieder rechts in die Büsche. Was da allerdings auf uns zu kam war nicht von schlechten Eltern...Herrsachaftszeiten...hier scheint eine ganze Armee Kieslaster ihre Ladung verloren zu haben. Wenn die holländischen Kollegen so unseren Einmarsch in ihr Land verhindern wollten, wäre ihnen das fast gelungen...aber eben nur fast.  Eine Strecke von circa 50m mit grobem, tiefen Schotter. Das heißt 1.Gang rein und dann gib ihm. Einige der Trikefahrer mussten allerdings passen und ihr Gefährt durch den Kies schieben. Die Einspurer waren chancenlos. Die Velomobile hatten ein paar Minuten vorher in weiser Voraussicht eine Alternativroute gewählt. 

Ab hier konnte man die ursprüngliche  Landschaft des Niederrheins bewundern. Eine Heidelandschaft mit den üblichen niedrigen Kräutern und tiefem Sandboden. Dieser Bereich bildet die Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden und der Baumbestand wurde in den letzten Jahren konsequent nieder gehalten. Nur so kann der ursprüngliche Charakter erhalten bleiben. Das Fahren ging mehr schlecht als recht und erforderte einigen Kraftaufwand. Die Passage war aber auch schnell überwunden und schon ging es auf einem gut ausgebauten, asphaltierten Weg in Richtung Weissen Stein…unsere erste große Pause. Nach 22km (für mich nach 40km) kamen wir am Weissen Stein an. An diesem Punkt Treffen mehrere Wege aufeinander und das Naturschutzgebiet Brachter Wald liegt direkt neben an. Dies war bis vor einigen Jahren das größte Munitionsdepot der Britischen Armee auf dem Festland. Von hier aus wurden damals die Irak-Kriege mit Munition versorgt. Aber das gehört zum Glück der Vergangenheit an. Und so bietet sich der Bevölkerung eine großartige Möglichkeit um die Natur des Niederrheins kennen zu lernen.  

Am Weissen Stein lassen wir uns zur ersten Pause nieder. Die Velomobilisten sind schon da und geniessen ihr Essen. Es gibt leichte Parkplatzprobleme und ich habe Probleme mein W1 in der Gemengelage wieder zu finden. Aber erst mal etwas Essen….wir sind in den Niederlanden, das heißt ...Frikandel Spezial mit Pommes und Salat... Eine wahre Bereicherung der Nouvelle Cuisine aber echt lecker. Mehr als 40 Leute wollen versorgt sein und so sitzen wir länger als geplant bis Alle fertig sind. Die komplette Pause hat dann auch fast 90 Minuten gedauert. Draussen sitzen bei empfindlichen 12°C; ich war froh endlich wieder auf dem Rad zu sitzen um mich auf Temperatur zu bringen. Der nächste Stopp war garnicht so weit weg; die Maas-Terrassen in Beesel gerade mal 10 Kilometer entfernt. Also los geht es mit der Bande in Richtung Maas durch Reuver.

Parplatzprobleme am Weissen Stein

Parplatzprobleme am Weissen Stein
 
Hier erreichen  wir auch den niedrigsten Punkt unserer Tour; gerade mal 15m über Normalnull. Bei steigendem Meeresspiegel bekommen die hier sicherlich ein Problem. Es geht entlang der Maas in südliche Richtung. Diesen Streckenteil kenne ich von meinen Touren im letzten Sommer. Mein Blick gilt allerdings dem Wetter um uns herum. Die Wolken werden bedrohlich dunkel und ich machte mich auf ein nasses Ende gefasst. Aber egal. 




Auf dem Weg nach Beesel

Auf dem Weg nach Beesel


 
Die 10 Kilometer vergingen wie im Fluge und schon waren wir an den Maasterrassen angekommen. 40 Liegefahrräder, oder besser deren Besitzer, suchen einen Parkplatz. Naja, eigentlich kein Problem die niederländischen Kollegen sind auf einen Andrang mit Fahrrädern besser eingestellt. Auf den Maasterrassen sitzt man wirklich gemütlich und gut geschützt gegen Winde vom Westen durch eine Plexiglasscheibe. 


An den Maasterrassen
Ich gönne mir einen Cappuchino und mein Sitznachbar bestellt sich einen Rijstevlaai (Kuchen mit Michreis); sieht sehr lecker aus. Ich telefoniere kurz mit meiner Frau, um sie über eine veränderte Ankunftszeit zu informieren…“das mit sechs Uhr Abendessen kannst Du vergessen, ich bin noch in Holland“. Sie fragt mich noch, wie das Wetter ist, weil 40 Kilometer östlich, in Viersen, es den ganzen Tag geregnet hat. Gerade als ich ihr antworten wollte „hier ist noch Alles trocken“ bekomme ich den ersten Tropfen ab….na toll. 

Innerhalb von 15 Minuten und schneller als geplant setzt sich die Karawane wieder in Bewegung. Auf draussen im Regen sitzen hat keiner so recht Lust. Die meisten haben sich in ihre Regenklamotten geschmissen, außer die Velomobilisten, Roswita mit dem Mungo mit Veltop und ich. Okay ich hatte eine leichte Goretex Jacke an, aber allzu viel Vertrauen in die Dichtigkeit hatte ich nicht mehr, da ich diese Jacke schon etliche Jahre in Gebrauch hatte. Der Organisator der Tour versprach uns, uns jetzt auf direktem Wege zurück zum Hariksee zu bringen. Das hieß durch den Ort Swalmen entlang der Landstraße in Richtung Ost nach Brüggen. Ich kenne diese Straße sehr gut, da ich sie schon öfters mit dem Auto entlang gefahren bin. Sie führt durch ein dichtes Waldgebiet und so hatten wie Glück, dass wir eine lange Strecke nicht direkt dem Regen ausgesetzt waren. 10 Kilometer geht es mehr oder weniger gerade aus durch den Wald. Während auf niederländischer Seite der Radweg noch einigermaßen fahrbar war, litt die Qualität auf der deutschen Seite doch merklich. Wurzelaufbrüche und entfernter Asphalt, weil es sowie so keinen Sinn macht, reihen sich dicht an dicht. Wobei man fairerweise sagen muss, es geht auch noch weitaus schlimmer und das Fahrwerk des W1 bügelt die heftigsten Schläge gekonnt weg. Jörgs Akku musste den anfänglichen tiefen Boden im Wald Tribut zollen, ab hier musste er ohne elektrische Unterstützung zurechtkommen. Normalerweise keine Problem, wenn nicht gleichzeitig seine Nuvinci-Nabe herumgezickt hätte. So hatte er nur noch eingeschränkte Gangauswahl und das macht wirklich kein Spaß. Aber zum Glück ist das Ziel nicht mehr weit entfernt. Unterwegs müssen wir nochmal kurz anhalten, weil der Pannenteufel zugeschlagen hatte. Ein Plattfuss der schnell behoben war.

Mittlerweile hatte es auch wieder aufgehört zu regnen. Das war ein kurzes Intermezzo, aber wie ich später erfahren habe, hatten wir verdammtes Glück. Eigentlich hatte es überall den ganzen Tag geregnet…tja wenn Engel reisen ;). Jetzt gab es noch eine kleine Bergwertung. Okay es waren nur 20 Höhenmeter, aber hier am Niederrhein gibt es dafür eben Punkte für das gepunktete Trikot. Da wo es hoch geht, da geht es wieder runter. Also nochmal kurz auf 37 hochbeschleunigen und dann in einer Rechtskurve zurück in Richtung Campingplatz. Hier fahren wie wieder den bekannten Weg und man merkt, alles geht irgendwie schneller. Entweder die Leute haben Hunger oder müssen auf Toilette, anders ist der Geschwindigkeitszuwachs nicht zu erklären.
Nach 51 Kilometern und circa. 7 Stunden sind wir dann wohlbehalten am Campingplatz angekommen. Das Grillen musste ich leider ausfallen lassen, da ich ja noch 17 Kilometer vor mir hatte. 

Es war eine tolle und gut organisierte Tour. Jeder, der so etwas ähnliches schon mal organisiert hat, weiß wie schwer es ist, allen gerecht zu werden. Für das Wetter kann man niemanden in die Verantwortung nehmen. Ich habe ein paar nette Leute kennen gelernt und wieder getroffen. Lest mal den Blog von Helen Hancox. Sie wohnt derzeit in Kempen und macht mit ihrem Trike und Velomobil den Niederrhein unsicher. Mehr unter http://www.auntiehelen.co.uk/. 

Die letzten 17 Kilometer habe ich noch mal Gas gegeben um den Schnitt ein wenig nach oben zu treiben. Summa summarum eine wirklich schöne Tour, wobei ich das Radeln alleine oder in kleineren Gruppen einfach schöner finde. Man muss erheblich mehr Aufmerksamkeit dem Vordermann schenken und das wird auf die Dauer ganz schön anstrengend.

Tourdaten:
Zeit gesamt: 10h 10min (5h 35min reine Fahrtzeit)
Länge:
84,9 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 1
5,2km/h
Temperatur:
13°C


Samstag, 12. April 2014

1 Jahr Liegetrike...1 Jahr Wild One...3200 Kilometer



Es war ja verdammt ruhig hier im Blog, aber das heißt nicht, dass ich nicht weitergefahren bin. Heute schreiben wir den 12.04.2014 und vor einem Jahr bin ich mit dem W1 gestartet. Insgesamt waren es im ersten Jahr 3200 Kilometer; ich habe also mein Ziel „3000 Kilometer“ sogar übertroffen. Und in 2014 stehen mittlerweile schon fast 500 Kilometer auf der Uhr. Davon waren es gestern alleine mal wieder 65 Kilometer. Die gestrige Tour ist ein wunderbares Beispiel dafür, warum es sich lohnt am Niederrhein mit dem Liegerad beziehungsweise mit dem Liegetrike unterwegs zu sein. Das Wetter war angenehm aber es ging doch ein leichter Nord-Ost-Wind; demnach ging es Richtung Norden (auf der Heimfahrt habe ich gerne Rückenwind). Mein erstes Ziel war Wachtendonk. Das ist von Viersen aus gesehen ein gemütlicher Trip von 20 Kilometern. Man bewegt sich mehr oder weniger am Flusslauf der Niers entlang und man kreuzt dieses Flüsschen ein paar Mal bis man in Wachtendonk ankommt. Das schöne ist, man bewegt sich sehr selten auf Landstraßen, sondern man kann auf gut ausgebauten Rad- und Landwirtschaftswegen die Seele baumeln lassen. Aufpassen auf die Traktoren ist allerdings angesagt…im Märzen der Bauern…. Anyhow, das Städtchen Grefrath lasse ich links liegen und ein paar Kilometer weiter rolle ich das erste Mal über die Niers. Aufpassen….die Brücken sind manchmal durch Drängelgitter gesichert und sind von der Breite her gesehen nicht immer üppig bemessen. Das kann ganz schön eng werden. Der Weg mäandert sich danach durch eine wundervolle Auenlandschaft. Am Wegesrand stehen die typischen Weiden und hier und da ist immer mal wieder ein kleiner Wasserlauf zu sehen. Kühe, Schafe und Pferden schauen mir etwas verstört hinterher, wobei die letztgenannten sehr oft panikartig flüchten. Das Zusammentreffen mit Pferden ist jedes Mal ein Erlebnis. Schon aus mehreren Metern Entfernung erkennt man das Angstweiße in ihren Augen. Meist fangen sie an zu tänzeln und bringen die Reiter in arge Kalamitäten. Meist verkrümle ich mich ganz außen an den Wegesrand und warte bis die Fuhre vorbeigetänzelt ist. Ich nehme mal an, Pferde verwechseln mich einfach mit einem ihrer Feinde. Aber weiter geht‘s…Zwischendurch rolle ich auch durch kleine Waldgebiete. Hier wird die Wegbeschaffenheit etwas rauer, aber das W1 bügelt wirklich hervorragend die heftigen Schlaglöcher, Äste oder sonstige Hindernisse platt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie das Fahrwerk arbeitet. Hinter Grefrath liegt das Kloster Mariendonk. Von Ferne sieht das Gebäude sehr schön aus, es entpuppt sich aber dann als ein von funktionalen Gebäuden umgebenen Klosterbau…naja doch nicht so der Hingucker. Eindrücke und Informationen gibt es hier www.mariendonk.de. Die Fahrt geht weiter. Manchmal muss ich doch etwas gas geben, weil mich Anlieger über die Wirtschaftswege jagen. Überholen ist nicht und so knalle ich einen großen Gang rein und rausche mit 40 Sachen durch die Landschaft…sch…auf den Meniskus. Ich hatte ja bereits erwähnt, der Geschwindigkeitseindruck so tief am Boden ist etwas heftiger…nahezu berauschend ;). Aber die Laktatzufuhr in die Muskeln bereitet dem Spaß dann doch ein Ende und ich lasse die Autos weiterziehen und rolle mit gemäßigtem Tempo weiter. Dadurch, dass ich in den letzten Kilometern Tempo gemacht habe, bin ich schneller als gedacht in Wachtendonk angekommen. Welch ein schönes Städtchen. Durchflossen von Nette und Niers, mit einem tollen Zentrum mit alten Häusern, meist alte Bauernhöfe. Ich liebe diesen Ort und lass mich langsam über das Kopfsteinpflaster rollen (auch hier spielt die Dämpfung des W1 seine stärken aus). Ich fühle mich gut und die Beine sind guter Laune…lass uns noch ein wenig Richtung Norden rollen. Also raus aus Wachtendonk und einfach der Nase nach. Sehr oft rolle ich einfach planlos durch die Gegend und bin immer wieder überrascht, wo es mich hin verschlägt. Die Landschaft wird etwas „hügeliger“. Naja ich sag mal niedriges Autobahnbrückenniveau, aber egal. Ich rolle weiter und stehe urplötzlich vor einer Bundestrasse und der Weg geht auf der anderen Seite nicht weiter. Da ich keine Lust habe, mich auf dem Seitenstreifen totfahren zu lassen. Fahre ich den Weg bis zum nächsten Abzweig zurück. Weiter geht’s Richtung Nordwest…Straelen. Nach ein paar Kilometern bin ich bereits im Industriegebiet, warum hebe ich das so hervor….;) Hier ist die Firma Beyss ansässig. Schaut die Homepage an, dann wißt ihr was ich meine; www.go-one.de. Irgendwann werde ich eine Probefahrt machen. Straelen ist auch ein wunderschönes Städtchen. Auf dem zentralen Marktplatz lässt es sich gemütlich verweilen, schöne Eiscafes und Restaurants laden zu einer Pause ein, aber heute ist es schon ein wenig spät und ich werfe das Fahrradnavigationssystem Komoot an und lasse mich Richtung Heimat navigieren. Den Knopf ins Ohr und los geht’s. Raus aus Straelen in Richtung Venlo. Hier gibt es eine schöne Abfahrt. 47 Kilometer pro Stunde verrät mir der Blick auf den Tacho und das auf einer glatten Asphaltdeck. So könnte es weitergehen, aber ein Kreisverkehr bremst mich aus. Weiter geht es nach Süden in Richtung Herrongen am Rande der „Straelener Berge“ Ein paar Kilometer fahre ich auf einem Radweg entlang einer wenig befahrenen Landstraße, um dann auf die mir bekannte Nordkanalroute abzubiegen www.nordkanal.net/allee.de. Herrongen, hier bucht sich das Handy ins Niederländische Mobilfunknetz ein. Somit ist es Essig mit den Navigationskarten und Navigation. Was ist noch zu sagen; in Herrongen findet man eine Produktionsstätte der Firma Kühne (Konserven). Ab  hier kenne ich mich aus und fahre ohne Navigationshilfe einfach der Nordkanalroute nach. Es geht durch ein Waldstück an der Krickenbecker Seenplatte entlang. Die Seen kann man allerdings durch die Bäume hindurch nicht erkennen. Vorbei am Restaurant / Hotel Waldesruh…mittlerweile habe ich richtigen Hunger und die Wasserflasche ist auch schon leer, aber ich habe noch ca. 15 Kilometer vor mir. Die nächsten Stationen sind Vousenbeck und Glabbach. Das Licht ist jetzt wunderbar, die Kameras liegen aber zu Hause…Mist. Ich werde mal nach einer Actioncam Ausschau halten, um ein paar Eindrücke meiner Ausfahrten festzuhalten. Die Hügel der Süchtelner Höhen machen Spaß auch wenn jetzt die Oberschenkel ein wenig motzen und ich bedrohlich auf einen Hungerast zusteuere. Warum vergesse ich immer, etwas zu Essen mit zu nehmen. In der Ferne erkenne ich die Kirchtürme von Grefrath, Oedt und Süchteln. Das ist der Vorteil, wenn man auf dem platten Land wohnt; man hat hervorragende Landmarken. Im Energiesparmodus rolle ich nach Hause und genieße die letzten Strahlen dieses schönen Freitags. Auf der Uhr stehen knapp 65km. Hungrig und zufrieden stelle ich das W1 in Garage mit dem guten Gefühl, vor einem Jahr die richtige Entscheidung getroffen zu haben.



Tourdaten:
Zeit gesamt: 3h 37min
Länge: 64,3km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,3km/h
Temperatur: 17°C




 

Samstag, 20. Juli 2013

2000 Kilometer Liegefahrrad

Lange Zeit war es ruhig in meinem Blog…ja ich lebe noch und ja ich fahre auch weiter begeistert mit meinem W1. Jeder hat 24 Stunden pro Tag zu Verfügung (weiß vielleicht jemand wie das mit den Stunden in der Nacht aussieht) und so muss ich eben auch meine Zeiten verteilen. Beruf und Familie nehmen hier einen nicht unbeachtlichen Teil, wobei ersterer leider in der Rangliste ganz oben steht. Und so muss ich versuchen die restliche Zeit sinnvoll (das mag jeder ganz anders beurteilen) zu nutzen und das heißt bei mir nicht unbedingt vorm Rechner sitzen.
Lange Rede kurzer Sinn; in den letzten Wochen habe ich meine Abende mehr oder weniger im Schalensitz meines W1 verbracht. Das Wetter war einfach nur toll und in den Abend hinein zufahren hat etwas Erfrischendes. Die Hitze des Tages ist verschwunden und es sind kaum noch Menschen auf den Wegen. Das nenne ich Seele baumeln lassen und so kommen an einem Abend zwischen 30 bis maximal 60 Kilometer zusammen. 

Was treibt mich dazu, gegen 20 Uhr nochmals aufs Rad zu steigen?

Hierfür gibt es mehrere Gründe:


der sportliche Aspekt:
Radfahren war schon immer einer meiner Lieblingssportarten. Ein Läufer bin ich weiß Gott nicht und Schwimmen bietet mir nicht die Alternative. Und da man sich da zwischendurch seines eigenen Körpers zuliebe mal bewegen sollte, ist Fahrradfahren für mich die erste Wahl.


der seelische Ausgleich:
In meinem Beruf ist man mehr oder weniger ständig in „Hab-acht-Stellung“. Ständig kreisen Gedanken um berufliche Themen. Auf Dauer leidet hier meine Seele. Das Radfahren ermöglicht mir meinen Gedanken freien Lauf zu lassen um Kraft für die Kreativität, die ich in meinem Beruf benötige, zu sammeln


Heimatkunde:
Manche mögen lachen, aber ich finde es schon wichtig die Gegend in der ich lebe zu kennen. Wir sind vor 8 Jahren an den Niederrhein gezogen. Diese Landschaft habe ich lieben gelernt. Felder, Wälder und zwischendurch immer mal wieder ein See eingestreut. Das Gebiet zwischen Maas und Rhein bietet eine Menge Abwechslung; Landschaftlich und Geschichtlich und das Liegetrike ist nahezu perfekt geschaffen um am Niederrhein die Heimat zu “erfahren“.


das Licht:
Mein zweites, zur Zeit vernachlässigtes Hobby, ist die Fotografie. Und was braucht der Fotograf zum Fotografieren?? Licht. 
Dieses Licht am Abend ist atemberaubend, warm, goldfarben…und was weiß ich sonst noch. Ein guter Freund fragte mich vor kurzem: Warum nimmst du die Kamera nicht mit? Ich konnte ihm keine Antwort geben. Ich weiß aber, dass es einfach schwierig sein wird, diese Impression auf einen Chip oder auf Film zu bannen.
Ich zitiere mal aus dem Song „Lila Wolken“ 



„ guck in diesen Himmel, wie aus Hollywood
Rot knallt in das Blau und vergoldet deine Stadt
und über uns ziehen lila Wolken in die Nacht“



Tja, mittlerweile stehen 2000 Kilometer auf der Uhr und das in 3 ½ Monaten. Für mich ein sehr guter Schnitt.
Vielleicht ein guter Zeitpunkt um ein weiteres Fazit zu ziehen.
Ob ein Liegefahrrad oder ein Liegetrike oder das W1 aus dem Hause Steintrikes ein adäquates Fortbewegungsmittel ist oder nicht, muss jeder für sich beantworten. Es gibt überall ein Für und Wider. Für mich ist es jedenfalls die beste Lösung, um die oben genannten Punkte unter einen Hut zu bringen.

Warum eine Liegetrike:
Zu Liegefahrrädern im Allgemeinen kann ich, bar jeder Erfahrung, wenig erzählen. Das Liegetrike kombiniert für mich Grundlegende Anforderungen. Erstens, kann ich längere Strecken nahezu schmerzfrei zurücklegen. Ich hatte am Anfang erwartet, dass mein Backbone nach einigen Stunden im Sitz, sich mit ein paar Zipperlein bemerkbar macht. Dem ist nicht so. Ich bin vom Sitzkomfort wirklich begeistert. Die Hinterlüftung des Rückens ist zwar nicht so gut, aber damit kann ich leben. Zweitens, ist die Perspektive die sich einem auf dem Liegetrike bietet eine gänzlich andere. Ich beschreibe es mal als den „Panaromablick“ Man kann so richtig die Natur auf sich wirken lassen.
Der Aktionsradius hat sich doch vergrößert und ich fahre einfach mit mehr Spaß (das ist dann das typische Grinsen der Liegetrikefahrer)
Der dritte Punkte ist das Fahrverhalten. Wer jemals Cart gefahren ist, weiß was ich meine. Die Nähe zum Boden verstärkt das Gefühl der Geschwindigkeit; 30 km/h fühlen sich irgendwie wie 40 an. Kurvenfahren macht extrem viel Laune, ich bin mal gespannt, wann sich mein Hinterreifen verabschiedet und in Bergabpassagen ist man sehr schnell in Geschwindigkeitsbereichen um die 50 bis 60km/h. Hier kann man schon mal anfangen die Kollegen auf den Rennrädern zu jagen.
Weg vom Rasen; auch das Cruisen geht einfach nur wunderbar. Mit 20 bis 25km/h über die Rad und Wirtschaftswege des Niederrheins zu rollen ist einfach eine tolle Sache.
Auch wenn es von außen betrachtet nicht so erscheint, ich fühle mich auf dem Liegerad sehr sicher. Auf den Ganzen 2000 Kilometern bin ich bis dato in keine brenzlige Situation geraten, in der ich auch nur Ansatzweise die Kontrolle über das Fahrzeug verloren hätte. Und somit komme ich zum zweiten Punkt:


Warum das Wild One:
Es gibt bereits einige Anbieter von Liegetrikes am Markt. Die angebotenen Modelle sind für die verschiedenen Einsatzzwecke geeignet. Eine „eierlegende Wollmilchsau“ gibt es nicht. Man muss für sich selbst den besten Kompromiss eingehen. Das Wild One ist für mich der beste Kompromiss aus Robustheit, Federungskomfort, Schnelligkeit und Sicherheit. Der Rahmen des W1 ist aus Stahl gefertigt. Wenn man sich die Videos auf Youtube von Bike Revolution / Steintrikes anschaut, weiß man auch warum. Thomas Seide prügelt seine Räder mit einer Geschwindigkeit über Passagen, dass einem Hören und Sehen vergeht. Das ist für mich persönlich kaum nachvollziehbar und auch nicht das Ziel. Aber es beruhigt ungemein das man dem Gefährt unter dem Hintern einiges abverlangen kann. Der Federungskomfort ist genial. Das Fahrwerk, mit seinem Bruttofederweg von vorne 100mm und hinten 80mm, bügelt einiges Grobes weg. Braucht man so etwas??? Fahrt einfach mal mit einem Liegerad über die Radwege des Kreises Viersen und das mit einer Geschwindigkeit um die 30 km/h. Mehr brauche ich dazu nicht zu sagen. Schnelligkeit….das hängt in erster Linie vom „Motor“ ab. Aber wie effizient wird die eingesetzte Kraft in Vortrieb umgewandelt. Ich habe derzeit keinen direkten Vergleich. Nur so viel, nach 2000 Kilometern habe ich fast das gleiche Geschwindigkeitsniveau wie mit dem Aufrechtrad. Das war mein Ziel. Sicherlich kann man hier und da mit Feintuning noch einiges herauskitzeln aber das werde ich mir nicht antun. Was ich aber sagen kann, ich bin nach einer Tour weniger „erledigt“ wie mit dem Aufrechtrad. 
Sicherheit; ich werde immer wieder gefragt, ob das Rad nicht unsicher ist, ob ich nicht übersehen werde. 
Das Rad ist nicht unsicher. Ich würde mal behaupten es ist sicherer als ein normales Fahrrad. Ich bremse wesentlich effektiver; 2 Scheibenbremsen und das Verzögern über eine größere Auflagefläche (3 Reifen) bringen einen klaren Vorteil. Bei heftigen Bremsmanövern ist die Gefahr eines Sturzes sehr gering und sollte es mich wirklich aus dem Sitz hauen, dann halten sich auch hierbei die Schäden in Grenzen. Das Fahrwerk ist genial. Man kann sich viel sicherer Im Grenzbereich bewegen, da man immer einen sehr guten Kontakt zur Fahrbahn hat. Die Lenkung vermittelt ebenfalls ein sehr gutes Gefühl. Das Kippverhalten von 3-Rädern in Kurven muss ich auch noch ansprechen. Ich habe während der ganzen 2000 Kilometer im normalen Fahrbetrieb in Kurven das kurveninnere Rad noch nicht zum Abheben bekommen. Vielleicht bin ich zu lahm und vorsichtig.


Fazit:

Zurückblickend auf die letzten 2000 Kilometer bringt mir immer noch das Grinsen ins Gesicht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Schaltung und ein paar gelösten Schrauben, hat sich das W1 mittlerweile „eingerollt“. Der defekte Kojak, wurde von Thomas Seide ersetzt, nachdem sich Schwalbe hier stur gestellt hat und den Defekt auf den unsachgemäßen Gebrauch auf einem Liegerad geschoben hat. Eventuell rüste ich vorne auf 20“ Räder um, um auf mehrere Reifenanbieter zugreifen zu können. Auch ich habe mich eingerollt, das Ziehen in den Kniekehlen ist verschwunden, nur wenn ich es mal ein wenig zu toll treibe und den dicken Gang trete, zwackt manchmal das Knie. Jetzt bin ich mal gespannt, wie ich im Rest des Jahres noch zum Einsatz komme. Mein Ziel 3000 Kilometer werde ich wohl packen und dann schauen wir mal was dann noch drauf kommt.